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Polizeihunde aus Kassel werden als Datenspeicher-Spürhunde ausgebildet

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Hündin Wilma mit Polizeioberkommissarin Bianca Rudolph und Polizeihauptkommissar Michael Dörbaum, Leiter der Hundestaffel Kassel.
Neue Auszubildende der Hessischen Polizei: Hündin Wilma mit Polizeioberkommissarin Bianca Rudolph und Polizeihauptkommissar Michael Dörbaum, Leiter der Hundestaffel Kassel. © Dieter Schachtschneider

Die 15 Schutzhunde der Kasseler Polizei bekommen Verstärkung. Zwei Belgische Schäferhündinnen werden ab Mai als Datenspeicher-Spürhunde ausgebildet.

Kassel – Sie spüren Rauschgift und Sprengstoff auf und suchen nach Leichen: die Spürhunde, die bei der Polizei in Hessen in Einsatz sind. Nun sollen weitere Spezialisten auf vier Pfoten ausgebildet werden: Datenspeicher-Spürhunde. So lautet ihre offizielle Bezeichnung. Diese Hunde werden darauf trainiert, CDs, Festplatten, Speicherkarten, USB-Sticks, Smartphones und SIM-Karten zu finden.

In jeder großen Ermittlung würden heutzutage Datenträger eine Rolle spielen, sagt Polizeihauptkommissar Michael Dörbaum, Leiter der Hundestaffel Kassel. Ob nun bei Kinderpornografie, Drogen- oder Wirtschaftskriminalität. Zudem seien viele Datenträger auf den ersten Blick für den Menschen nicht mehr erkennbar. Kugelschreiber würden zum Beispiel als USB-Sticks genutzt.

Um die Datenträger besser finden zu können, sollen jetzt auch in Hessen Hunde zum Einsatz kommen. In hessischen Justizvollzugsanstalten würden Hunde bereits eingesetzt, um illegale Handys von Inhaftierten aufzuspüren, sagt Dörbaum.

Wonach riechen den Speicherkarten, Handys und Festplatten? „Ich weiß noch nicht, was hier für die Hunde spurleitend ist. Ich weiß nur, dass es funktioniert. Das zeigen die Beispiele aus anderen Bundesländern“, sagt Dörbaum. Er habe gehört, dass zum Beispiel die seltenen Erden spurleitend sein sollen – also für die Hunde erschnüffelbar sind.

In Hessen sollen ab Mai zunächst fünf Hunde auf das Aufspüren von Datenträgern ausgebildet werden. Zwei davon gehören zu Polizistinnen, die im Revier Mitte in Kassel arbeiten. Im Herbst sollen fünf weitere Hunde folgen. Die Ausbildung erfolgt an der Polizeiakademie Mühlheim. Die 47-jährige Polizeioberkommissarin Bianca Rudolph führt seit 20 Jahren Diensthunde. Seit vier Wochen lebt die 18 Monate alte Wilma bei ihr. Das Land Hessen hat die Belgische Schäferhündin extra für die neue Ausbildung angeschafft.

Was spricht für Wilma? „Sie hat einen überdurchschnittlichen Spieltrieb. Das ist das wichtigste Merkmal für einen guten Spürhund“, sagt die Polizistin. Wenn bei der Ausbildung alles gut läuft, wird Wilma ab September zum Einsatz kommen, um Handys und Speicherkarten zur Überführung von Straftätern zu erschnüffeln.

Erster Datenspeicher-Spürhund bei Fall in Lüdge im Einsatz

Datenspeicher-Spürhunde kamen als erstes in Sachsen und anschließend in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz. In Nordrhein-Westfalen war das eine Konsequenz aus dem Fall in Lüdge. Dort waren auf einem Campingplatz in Ostwestfalen-Lippe zwischen Anfang 2008 und der Festnahme des Haupttäters im Dezember 2018 Kinder sexuell missbraucht sowie Kinderpornografie produziert und verbreitet worden.

Dort kam damals Deutschlands bis dahin einziger Datenspeicher-Spürhund zum Einsatz: Artus aus Sachsen, der sonst in sächsischen Gefängnissen nach Handys suchte. Der Hund erschnüffelte an dem vermüllten Tatort einen USB-Stick in einer Sesselritze. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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