Verbot auch auf Partymeile

Alkoholverbot in Kassel – Polizeipräsenz am Wochenende zeigt Wirkung

Starke Polizeipräsenz: Zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei waren am Freitag- und Samstagabend auf der Friedrich-Ebert-Straße unterwegs. Sie kontrollierten, ob sich die Menschen an das Alkoholverbot hielten.
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Starke Polizeipräsenz: Zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei waren am Freitag- und Samstagabend auf der Friedrich-Ebert-Straße unterwegs. Sie kontrollierten, ob sich die Menschen an das Alkoholverbot hielten.

Nach zahlreichen Beschwerden wurde für einige Plätze in Kassel ein Alkoholverbot verhängt. Nun zieht die Polizei Bilanz.

Kassel – Seit Freitag (11.06.2021) gilt ein Alkoholverbot auf Teilen der Friedrich-Ebert-Straße und dem Rudolphsplatz im Vorderen Westen in Kassel. Die Polizei war am Wochenende mit zahlreichen Kräften im Einsatz, um zu kontrollieren, ob sich die Menschen an die Regeln halten. „Heute Morgen gab es keinen Müll“, sagte eine Frau am Samstagvormittag (12.06.2021), die in dem Mehrfamilienhaus der GWH an der Friedrich-Ebert-Straße 69 wohnt. Vor einer Woche hatten sie und weitere Nachbarn sich über die Zustände vor ihrem Haus massiv beschwert. Nachts hatten Hunderte von Leuten vor ihrer Tür laut gefeiert. Einige Anwohner fühlten sich bedroht.

Am nächsten Morgen war der „Platz der elf Frauen“ mit Scherben, Flaschen und anderem Müll übersät. Der Platz war auch als Toilette missbraucht worden.

Corona in Kassel: Alkoholverbot auf mehreren Plätzen

Diesem Treiben hat die Stadt Kassel zunächst ein Ende gesetzt. Auf der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Ständeplatz und Annastraße sowie in Bereichen auf der Karthäuserstraße, der Bürgermeister-Brunner-Straße, dem „Platz der elf Frauen“ sowie in dem Grünzug „Grüne Banane“ und dem Rudolphsplatz gilt jetzt ein Alkoholverbot.

Menschen, die am Wochenende mit einem Bier über die Straße und Plätze schlenderten, wurden von der Polizei darauf aufmerksam gemacht und weggeschickt. Das Aufgebot von Landespolizei und Stadtpolizei war am Freitag- und Samstagabend massiv.

Ein Funkwagen stand neben dem Rudolphsplatz, mehrere auf dem „Platz der elf Frauen“. Die Polizei zog am Sonntagvormittag eine positive Bilanz. Auch wenn an beiden Abenden sehr viele Menschen auf Kassels Partymeile unterwegs waren, so habe sich das Gros an die Regeln gehalten.

Corona in Kassel: Kneipen und Bars sind gut besucht

Zwei Freundinnen, 23 und 24 Jahre alt, die am Freitagabend mit einem Wasser auf dem „Platz der elf Frauen“ saßen, zeigten Verständnis für die Entscheidung der Stadt. „Letzte Woche lag doch ziemlich viel Müll hier rum. Das sah richtig schlimm aus“, sagte eine von beiden. Ihre Freundin fügte hinzu, dass sie auch nachvollziehen könne, dass die Leute endlich wieder raus wollen, um sich zu treffen.

Die Bars und Kneipen waren am Wochenende in ihren Außenbereichen entsprechend voll. Ein 23-jähriger Mann, der am Freitagabend mit Freunden vor dem Glasmosaik „Gläserne Stadt“ stand, machte auf die schwierige Lage für viele junge Leute aufmerksam. „Wo sollen wir denn noch hin, um etwas zu trinken? Aus der Goetheanlage werden wir weggeschickt und hier werden wir weggeschickt. Und die Kneipen sind alle voll.“

Corona-Pandemie in Kassel: Interesse an Fußball-EM gering

Ein Kumpel von ihm sagte, dass er das Alkoholverbot auf den Plätzen schlecht finde. Es sei vor allem für jene Leute doof, die nach dem Trinken ihre Flaschen wieder mitgenommen hätten. Unter den Leuten, die sich nicht benehmen könnten, müssten jetzt alle leiden.

Viel Interesse an der Europa-Meisterschaft zeigten die vielen Leute, die über die Meile zogen, nicht. Es fielen keine Fußballfans in Trikots auf, es waren keine Fangesänge zu hören. In „Joe´s Garage“ wurde am Freitag drinnen das Spiel zwischen Italien und der Türkei gezeigt. „Das Interesse hielt sich in Grenzen“, so Carsten Bischoff, Chef von „Joe‘s Garage“. Neben einigen anderen Gästen verfolgten drei Türken das Auftaktspiel in der Garage.

Corona in Kassel: Alkoholverbot wird nicht ewig halten

Ansonsten empfand Bischoff die Atmosphäre auf der Partymeile nach den Beschwerden in der vergangenen Woche als sehr angenehm. „Es waren viele Leute unterwegs, die Polizei war präsent. Es war alles entspannt.“

Die Anwohnerin aus der Friedrich-Ebert-Straße 69 konnte an diesem Wochenende auch wieder ruhig schlafen. Die Frau fragt sich nur, wie es weitergehen soll, wenn es das Alkoholverbot nicht mehr für die Partymeile gibt. Schließlich ist die Grundlage dafür die Corona-Verordnung des Landes Hessen. Und die wird nicht ewig gelten. Und die Polizei könne auch nicht an jedem Wochenende den Platz bewachen, sagt die Frau. Hinzu komme, dass sie auch nicht jeden Tag so viele Beamte vor ihrem Haus sehen wolle. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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