Amtsgericht: 42-jährige Frau aus der Nordstadt soll ihre Hunde auf Zivilbeamte gehetzt und diese mit Besenstiel attackiert haben

Polizisten „Spinner“ und „Hornochsen“ genannt

Kassel. „Affen, Spinner, Hornochsen“ - eine 42-jährige Kasselerin gibt zu, all diese Begriffe zwei Polizisten an den Kopf geworfen haben. Auch „Arschloch“ könne im Oktober 2009 gefallen sein, räumt sie vor dem Kasseler Amtsgericht ein.

Die Männer hätten sie in Schrecken versetzt, ihr Schmerzen zugefügt, sie sei sehr aufgeregt gewesen. Das Wort „Bullenschweine“ aber will sie nicht benutzt haben: „Das kommt in meinem Sprachschatz nicht vor.“ Vor dem Amtsgericht muss sich die 42-Jährige nicht nur wegen Beleidigung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Bei einer Kontrolle soll sie ihre Hunde auf die Beamten gehetzt und versucht haben, beide mit einem Besenstiel und einem Golfschläger zu attackieren.

Die Gerätschaften und zwei Labrador-Schäferhund-Mischlinge kommen auch in der Version vor, die die Angeklagte und Verteidiger Thomas Hammer dem Gericht vortragen. Allerdings setzt sich die 42-Jährige in dieser Erzählung gegen zwei Männer in Zivil zur Wehr, die ihr schon vor der Haustür unheimlich sind, weil sie schwarze Handschuhe tragen.

In dieser Geschichte weiß die Frau nicht, was die Männer wollen, und warum sie nach ihrem Namen fragen. Kurz wird ihr eine Karte oder Marke vorgehalten - die sie nicht einzuordnen weiß. Sie flieht in ihren Wohnungseingang, die Männer folgen, sie fällt. In dieser Geschichte sind die Hunde so erzogen, dass sie verschwinden, wenn die Frau „Lauft!“ ruft - auch beim Befehl „Fass!“. Die Frau schickt die Tiere weg. Einer der Männer kniet auf ihr. Sie greift, was sie kann, um sich zu wehren, wird ins Treppenhaus gezogen. Erst unter Blicken anderer Hausbewohner lassen die Männer von ihr ab.

Die Geschichte der beiden Polizisten, die als Zeugen aussagen, ist eine andere: Sie vermuten in der Nordstadt-Wohnung der Angeklagten einen Mann, gegen den ein Haftbefehl besteht. Sein Name steht am Briefkasten der 42-Jährigen. Als sie auf die - ihnen noch unbekannte - Frau treffen, stellen sie sich mit „Guten Tag - Polizei“ vor und werden sofort wüst beschimpft.

Wann im Zuge der eskalierenden Situation Dienstmarken gezeigt werden, können die Beamten nicht sagen. Doch in dieser Version ruft die Frau die Hunde und befiehlt lautstark „Fass die Bullenschweine!“ Die Tiere werden mit Pfefferspray abgewehrt.

Die Lage entspannt sich, als weitere Polizisten eintreffen. Einer, der schon über 30 Jahre im Dienst ist, spricht mit der Frau. Mit ihm geht sie in die Wohnung - der gesuchte Straftäter ist nicht da. Die Polizeiaktion wird beendet. Der Prozess am Amtsgericht wird nächste Woche fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

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