Kurt Dippel ist einer Gründungsväter der Feuerwehr Wolfsanger

Seit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Er ist Kassels wohl ältester Feuerwehrmann

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Seit 70 Jahren bei der Feuerwehr: Kurt Dippel mit dem Stellvertretenden Stadtbrandinspektor Kai Knierim am Feuerwehrhaus in Wolfsanger vor dem Mercedes LF16TS, einem Löschgruppenfahrzeug mit Tragkraftspritze Baujahr 1991.

Als Kurt Dippel vor 70 Jahren bei der Feuerwehr angefangen hat, haben die Uhren noch anders getickt. So musste in seinen Anfangszeiten teilweise noch der Wagen zum Einsatz geschoben werden.

"Wir haben kein Handy, werfen kein Brot weg und zahlen in bar", sagt er heute. Auch ein Beleg dafür, dass die Uhren des 88-Jährigen anders ticken. 50 Jahre hat der Kasseläner als Elektromeister gearbeitet, seit 61 Jahren ist er mit seiner Frau Elisabeth verheiratet. Und seit 70 Jahren ist er bei der Feuerwehr.

Für eine derart lange Mitgliedschaft wurde laut Kai Knierim, stellvertretender Stadtbrandinspektor, seit mindestens 15 Jahren niemand geehrt. Dippel zählte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Gründungsvätern der Feuerwehr Wolfsanger, baute 1966 Kassels erste Jugendfeuerwehr auf und sorgte mit dafür, dass 1974 erstmals Frauen in die Einsatzabteilung durften.

Vorgezeichnet war dieser Weg nicht. "Wenn ich so einen Jungen wie mich gehabt hätte, hätte ich jetzt mehr graue Haare", sagt der Brandmeister und grinst verschmitzt. In seiner Jugend sei er ein Schlawiner gewesen. Einer, der mit seinen Kumpels die Gegend um die alte Ziegelei unsicher machte. 

Die größte Sünde: Neben dem alten Friedhof gab es eine Kiesgrube, die mit Müll aufgefüllt wurde. Dort zündelten die Lausejungen 14 Tage lang habe es gequalmt und gestunken. Als Form der Wiedergutmachung stieg Dippel 1946 freiwillig bei der Feuerwehr ein. 

Übernahmen nach dem Krieg Verantwortung: August Dippel (hinten von links), Willi Vogt, Otto Dick, Otto Plaumann, Kurt Dippel, Heinrich Weißenborn und Fritz Schmelzer (vorne von links), Wilhelms Stein, August Höhmann sowie Fritz Dippel waren 1950 die Feuerwehr Wolfsanger.

Die Anfangsjahre beschreibt er als einen Kampf gegen Windmühlen. Es habe nur ein Fahrzeug gegeben, das man sich mit der Berufsfeuerwehr habe teilen müssen. "Oft ist es nicht angesprungen. Dann haben wir es geschoben und bei der Dorfkneipe Fliege war oft Schluss", blickt der zweifache Großvater zurück.

Erst das Löschgruppenfahrzeug LF8 gut 20 Jahre später sei mit einer funktionierenden Technik ausgestattet gewesen. Den größten Einsatz damit hatten die Wolfsangerer Feuerwehrleute 1972. Eine Nacht lang brannte das Kühlhaus Linde im Industriegebiet. 

Beim Löschen standen sie auf einem Berg tiefgekühlter Hähnchen und später in geschmolzener Butter. "Die Stiefel mussten wir fortschmeißen. Dafür gab es zum Nachtisch Erdbeeren", sagt Dippel, der gern an die süße Belohnung zurückdenkt.

HNA-Artikel von 1972 zum Großbrand im Kühlhaus Linde.

Seine höchste Auszeichnung war der Ehrenbrief des Landes Hessen. Den erhielt er 2002 auch dafür, dass er als Kassierer 20 Jahre Vorstandsmitglied im Feuerwehrverein war. Kostenlos obendrauf bekam er den Spitznamen Kohlenkurt, "weil er das wenige Geld bestens verwaltet hat", wie Kai Knierim weiß. 

Im Umgang mit Holz ist der 88-Jährige ebenso talentiert. Schwebebalken, Klettergerüst und Knotengestell alles, womit die Jugendfeuerwehr übt, wurde von Dippel handgefertigt.

Auch die Tradition des Sonnenwendfeuers hat er begründet. Als Anerkennung soll der Vorplatz des neuen Feuerwehrhauses Kurt-Dippel-Platz heißen. Das Gebäude kommt dort hin, wo der Namensgeber als Junge gespielt hat: auf das Gelände der alten Ziegelei.

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