Nach Ärger um angebliche Ungleichbehandlung

Post-Großkunde: Vortritt am Schalter muss bleiben

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Die Post an der Unteren Königsstraße: Links im Bereich der Fahrzeugeinfahrt befindet sich die Einlieferungssstelle für Großkunden – doch die ist nur stundenweise geöffnet.

Kassel. Bestimmte Dauerkunden der Neuen Hauptpost müssen nicht Schlange stehen, sondern werden sofort bedient. Nach unserem Bericht vom Montag hat sich einer der Geschäftsposteinlieferer gemeldet, der im geschilderten Fall den Unmut wartender Kunden ausgelöst hatte.

„Da ich selbst im Öffentlichen Dienst tätig bin, weiß ich sehr wohl um die Verhaltensregeln und habe niemals die Absicht, andere Kunden zu benachteiligen“, sagt Lothar Reith.

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Reith ist Mitarbeiter der nahen Universitätsbibliothek Kassel, die jeden Tag etliche Brief- und Paketsendungen einliefert. Über die Möglichkeit, als Geschäftskunde zügig am Schalter abgefertigt zu werden, sei die Unibibliothek „froh und dankbar“. Reith sagt: „Durch unseren Arbeitsablauf und unsere Arbeitszeiten haben wir keine Möglichkeit, die Sendungen zu den Zeiten abzugeben, in denen die Großkundenannahme geöffnet hat.“ Eine Änderung oder gar Streichung der Annahmepraxis am Schalter hätte für die Abläufe in der Unibibliothek „weitreichende Behinderungen zur Folge“.

Die von einem anderen Postkunden geschilderten Beobachtungen seien so nicht zutreffend, sagt Lothar Reith: Er sei keineswegs direkt vom Eingang zum Schalter marschiert, sondern habe „in angemessenem Abstand“ gewartet, bis ihm ein Filialmitarbeiter ein Zeichen gegeben habe. Ein weiterer angeblich vordrängelnder Kunde sei der Postfahrer der Unibibliothek gewesen. Der habe zuvor einen vollgepackten Rollcontainer in die dafür vorgesehene Lücke am Schalter geschoben und nur auf Reith gewartet, bis der sich am Schalter die Einlieferungsliste habe abzeichnen lassen.

„Der ganze Vorgang hat nicht mal eine Minute gedauert“, sagt Reith. In einem Schreiben an die Postbank regte der Bibliotheksmitarbeiter an, über dem rechten Schalter in der Neuen Hauptpost einen Hinweis anzubringen, dass dort zwischenzeitlich Geschäftskunden vorrangig bedient werden: „Dies würde allen Irritationen und Missverständnissen vorbeugen.“

Postbank-Sprecherin Iris Laduch-Reichelt sagte, sie habe diese Anregung an die hausintern zuständige Abteilungsleitung für die Organisation in den Filialen weitergegeben. Eine Reaktion von dort liege allerdings noch nicht vor.

Die geltenden Öffnungszeiten der Großkunden-Annahmestelle in der Fahrzeugeinfahrt neben der Filiale seien montags bis donnerstags von 7 bis 10 und von 15 bis 18 Uhr sowie freitags von 7 bis 10 und von 13 bis 16 Uhr. Sie könne allerdings nicht sagen, so die Sprecherin, inwieweit diese Zeiten möglicherweise vor Ort „variiert“ würden.

Zu den teilweise langen Wartezeiten in der Neuen Hauptpost kommt es nach Ansicht von HNA-Leser Helmut Fricke nicht, weil Großkunden gelegentlich mit Vorrang bedient werden, sondern weil generell nicht genügend Personal zum Abarbeiten der Warteschlange zur Verfügung stehe.

Innenstadtbewohner Fricke sah sich durch unsere Berichterstattung veranlasst, seine Eindrücke eines Postbesuchs vom Montag zu schildern: Gegen 11 Uhr habe er ein Päckchen zur Filiale an der Unteren Königsstraße bringen wollen - die Schlange habe praktisch bis zum Eingang gereicht. Nach etlichen Minuten Wartezeit sei er unverrichteter Dinge wieder gegangen.

Die ganze Zeit über seien nur an einem von sechs Schaltern überhaupt Kunden bedient worden - an einem zweiten Schalter hätten Postmitarbeiter „irgendwelche Probleme gewälzt“, erzählt Fricke. „Wenn bei so einem Andrang vier oder fünf Schalter besetzt wären, hätte man ja Verständnis.“

Von Axel Schwarz

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