Skurrile Pannen: Post vom Zensus 40 Jahre nach dem Tod

Kassel. Rund um den Zensus werden immer skurrilere Fälle von überholten und veralteten Daten bekannt. Für die Volkszählung sind Briefe an frühere Immobilienbesitzer gegangen, die vor mehreren Jahren - beziehungsweise Jahrzehnten - gestorben sind.

"Spitzenreiter" ist ein Ehepaar aus Kassel, das jetzt Auskunft über sein Haus im Kasseler Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn geben soll: Allerdings sind die Eheleute Vogel bereits vor 40 Jahren gestorben. Direkt nach dem Tod war das Haus auf die Enkelkinder überschrieben worden.

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In einem anderen Fall ist ein früherer Hausbesitzer in Kaufungen angeschrieben worden, der seine Immobilie bereits 1987 verkauft hatte. Damals sei ebenfalls alles korrekt an den neuen Besitzer überschrieben worden.

Zuständig für den Zensus ist das Landesamt für Statistik. Dort weist man die Verantwortung für solch fehlerhafte Daten von sich. Erhoben worden seien die Angaben für die Gebäude- und Wohnungszählung von den Grundsteuerstellen der Kommunen, der Katasterverwaltung und der Oberfinanzdirektion Frankfurt. Daraus seien die Daten zusammengestellt worden, sagte Berthold Müller, Leiter der Abteilung Zensus beim Statistischen Landesamt.

Beim Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation hat man keine Erklärung für die Fehler. Anders bei der Grundsteuerstelle der Stadt Kassel und Oberfinanzdirektion. Infolge der Meldungen über fehlerhafte Zensus-Post habe man bei Nachforschungen in Einzelfällen überholte Daten ausfindig gemacht, sagte Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp.

Deren Ursprung lasse sich nicht mehr nachvollziehen. Allerdings wären bei überholten Daten seit Jahren auch fehlerhafte Abgabenbescheide verschickt worden, sagte Bohnenkamp. Wenn Betroffene diesen nicht widersprochen haben, seien die Fehler nicht beseitigt, sondern fortgeführt worden.

Von Claas Michaelis

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