Kasseler Unibibliothek sammelt historische Motive aus der Region - Ansichtskarten und Fotos online einsehbar

Postkarten bewahren altes Kassel

Kassel. Im digitalen Zeitalter wird die Postkarte zum Auslaufmodell. Kurze, schnelle Grüße verschickt man heute zunehmend per SMS und E-Mail. Während in die heimischen Briefkästen immer seltener Urlaubspost flattert, hat die Kasseler Universitätsbibliothek in den vergangenen Jahren stapelweise Ansichtskarten bekommen. Allerdings nicht aus dem Italien- oder Spanienurlaub, sondern aus der Region. Verschickt wurden die meisten vor mehr als 100 Jahren.

Die zur Universität gehörende Landesbibliothek hat unter anderem die Aufgabe, landestypisches Material zu sammeln. Inzwischen gehören rund 10 000 historische Motive von Postkarten und Fotos aus Kassel und Nordhessen zum Bestand, sagt Dr. Brigitte Pfeil von der Murhardschen und Landesbibliothek. Um den regionalen Schwerpunkt zu stärken, habe man seit einigen Jahren gezielt Sammlungen angekauft, zuletzt rund 1000 alte Postkarten des Kasseler Antiquariats Hamecher. Sie werden nun nach und nach digitalisiert und können von jedermann im Onlinekatalog der Bibliothek angeschaut werden.

Darunter sind auch viele Motive aus der historischen Altstadt Kassels, die vor 70 Jahren im Bombenhagel unterging. Auch das mehr als 1000 alte Fotos umfassende Privatarchiv des Kassel-Chronisten Hans Germandi hat die Uni-Bibliothek bereits auf diese Weise für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht.

Sammelfieber wie bei Panini

„Das alte Kassel ist für immer verloren, aber in den Postkarten ist die Geschichte noch erhalten“, sagt Brigitte Pfeil. Daher gelte es, so viele Bilder wie möglich zu sichern und für die Nachwelt zu bewahren. Die zuletzt erworbene Sammlung Hamecher war dabei ein Glücksgriff, sagt Pfeil. Unter den 1000 Karten waren nur 42 bereits im Bestand. „Postkarten sammeln ist wie Paninibildchen sammeln: Wir wollen möglichst viele verschiedene Motive und nicht fünfmal die gleichen.“

Eine der ältesten Karten stammt laut Poststempel aus dem Jahr 1896 und zeigt den Blick über die Wilhelmshöhe zum Herkules. Für Sammler sind Postkarten, die beschrieben und abgestempelt sind, interessanter als unbenutzte. Denn so liefern sie zusätzliche Informationen über die Zeit.

Das Schreiben von Ansichtskarten kam um 1900 in Mode. Anfangs war es noch üblich, den Text auf die Vorderseite zu schreiben, da auf der Rückseite nur die Adresse vermerkt werden durfte. Entsprechend war um oder neben den Motiven meist noch Weißraum zur Beschriftung. Später nahmen die Bilder dann das ganze Format ein.

Auch viele Kasseler Fotografen entdeckten in der Verwertung ihrer Aufnahmen als Postkarten eine Einnahmequelle. „Die haben sich richtig Mühe gegeben: Viele Fotos hochgradig retouchiert“, sagt Pfeil mit einem Lachen.

Gerade für winterliche Motive griffen sie in die Trickkiste: Das Sommerbild wurde einfach in Weiß getaucht. „Wahrscheinlich war es bei Eis und Schnee schlicht zu anstrengend, die große Kamera zum Herkules zu schleppen.“ http://orka.bibliothek.uni-kassel.de (Klick auf Sammlungen/ Fotografie)

Von Katja Rudolph

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