8000 Kilometer unterwegs

Pothole-Rodeo: Aus Kassel mit 380-Euro-Golf über den Balkan

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Mit ihrem Rallye-Golf auf dem Firmenhof: Nico Anacker (links) und Habes Eren haben sich zu ihrer zehntägigen Balkan-Tour aufgemacht. Foto: 

Habes Eren (43) und Nico Anacker (27), zwei Mitarbeiter des Kasseler Bauunternehmens Emmeluth, sind mit ihrem Golf 3 (Baujahr 1997) beim sogenannten Pothole-Rodeo unterwegs.

Sie haben Tausende Kilometer über teils holprige Schlaglochpisten vor sich. Sie haben ein bunt lackiertes und beklebtes Fahrzeug, das bereits Hunderttausende Kilometer – genau weiß das niemand – auf dem Buckel und die besten Zeiten hinter sich hat.

„Für 380 Euro haben wir das Auto in München gekauft“, berichtet Nico Anacker. Damit erfüllt der Alt-Golf mit Dieselantrieb die Bedingungen der Benefizrallye. Denn teilnehmen dürfen nur Fahrzeuge, die mindestens 20 Jahre alt sind und die nicht über 500 Euro in der Anschaffung gekostet haben.

Als Team „KE Outbacks – „KE“ steht für die Firma Konrad Emmeluth – gehen die beiden Familienväter an den Start. Die laut Veranstalter rund 4000 Kilometer lange Strecke, die durch elf Länder und kreuz und quer durch den Balkan führt (siehe Grafik), würden die meisten Menschen wohl nicht mal mit modernster Automobiltechnik fahren wollen. Der Golf, den Kraftfahrer Eren und Elektriker Anacker steuern, hat nicht mal eine Klimaanlage. Aber genau das mache den Reiz der zehntägigen Tour aus, meinen die beiden Emmeluth-Mitarbeiter. Für sie und die 74 anderen Teams heißt das Ziel bei dieser Rallye: durch- und ankommen.

Auf die Idee, beim Pothole-Rodeo mitzufahren, kam Nico Anacker, als er im Internet zufällig auf die Rallye stieß. Der Heringer (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) fragte kurz bei seinem Felsberger Kollegen Eren (Schwalm-Eder-Kreis) an, meldete sie an, und schon war das Team gesetzt.

Sie gehen davon aus, mit An- und Abreise über 8000 Kilometer unterwegs zu sein. Warum tun sie sich das an? „Wir wollen die Gegend und die Menschen kennenlernen“, sagen die Kollegen, die auch Freunde sind. Und natürlich gehe es bei dieser Tour ja auch um eine gute Sache. So haben sie in Deutschland Sachspenden wie Schuhe gesammelt, die sie unterwegs unter anderem an Kinder verteilen werden.

Für die Teilnahme gibt es von ihrem Arbeitgeber einen noch auszuhandelnden Betrag pro gefahrenen Kilometer. Zusammen mit dem Geld von anderen Sponsoren wollen Eren und Anacker den eingefahrenen Betrag dann an den ASB-Wünschewagen in Kassel spenden.

Übrigens kostet die Teilnahme an der Rallye 700 Euro pro Team. Die Übernachtung und Verpflegung müssen Eren und Anacker extra zahlen. Und wenn dann auch noch der alte Golf schlappmacht? Da gibt sich Nico Anacker zuversichtlich. Er fahre auch privat immer einen Volkswagen. „Den kriege ich dann schon repariert.“

Über seine Balkan-Tour berichtet das Duo auf Facebook: „Team 295 KE Outbacks“.

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