Wahl am Sonntag

Präsidentschaftswahl: In Kassel lebende Französin hofft auf Macron

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Politisch interessiert: Charlette Auque-Dauber gibt am Sonntagmorgen auf dem Konsulat in Frankfurt ihre Stimme ab.

Kassel. Eigentlich war Charlette Auque-Dauber für Sonntag von Freunden zum Essen eingeladen. Aber an diesem Abend geht gar nichts bei der in Kassel lebenden Französin.

„Dann klebe ich vor dem Fernseher“, sagt sie, „und verfolge das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Frankreich.“

Charlette Auque-Dauber (71), Hochschuldozentin im Fachbereich Humanwissenschaften und verheiratet mit einem Deutschen, ist eine politisch interessierte Frau. Im Minutentakt bekommt sie – verbunden mit einem leisen Summton – Nachrichten französischer Medien aufs Smartphone. Es sind vor allem Reaktionen auf das jüngste Fernsehduell zwischen den französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen.

Zukunft Frankreichs

„Dieses Mal ist es besonders wichtig zu wählen“, sagt Auque-Dauber, die eine von insgesamt 191 französischen Staatsbürgern in Kassel ist: „Es geht um die Zukunft Frankreichs, um die Zukunft unserer Kinder.“ Sie selber hat drei Kinder und vier Enkelkinder, die zum Teil in Frankreich leben. Das Fernsehduell? Es habe während der ersten halben Stunde nur aus Beleidigungen bestanden. Überhaupt empfinde sie die Streitkultur und das Taktieren der französischen Politiker beschämend. „Alles ist erstarrt.“ Am beschämendsten sei die zunehmende Popularität der extremen Rechten Marine Le Pen vom Front National.

Sonntag morgen wird Charlette Auque-Dauber eigens nach Frankfurt zum französischen Konsulat fahren, um ihre Stimme abzugeben. Für Emmanuel Macron. „Naturellement“, wie sie energisch betont. Auch zum ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte sie ihre Stimme für den parteilosen Kandidaten der neuen politischen Bewegung „En marche“, Macron, abgegeben. Obwohl sie anfangs gedacht hatte: Entscheidend ist ja nur der zweite Wahlgang. Doch dann stand es plötzlich auf Messers Schneide, ob vielleicht die beiden Extremen und Europa-Gegner, der Linke Jean-Luc Mélenchon und die Rechte Marine Le Pen, unter sich das Rennen um den Einzug in den Elysée-Palast ausmachen. Bereits da habe jede Stimme für Macron gezählt. Darunter auch die von Charlette Auque-Dauber.

Briefwahl sei bei der „Election présidentielle“, der Wahl des französischen Präsidenten, nicht möglich. Als Auslandsfranzose müsse man sich aufs Konsulat begeben oder einer anderen Person eine Vollmacht zum Wählen erteilen.

Frankreich sei total gespalten, sagt Auque-Dauber. Das zeigten auch die vielen Gespräche, die sie mit ihren Landsleuten führe. Aber sie hoffe auf die regenerierenden Kräfte Frankreichs.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Charlette Auque-Dauber. Nach dem Fernsehduell räumten jüngste Umfragen Macron den Wahlsieg ein. Aber der Politkrimi gehe weiter. „Im Juni wird das Parlament gewählt. Dann geht es um die Mehrheiten fürs Regieren.“

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