Tipps gegen die Angst

Neues Präventionsprojekt: Ehrenamtliche Sicherheitsberater informieren Senioren

Kassel. Statistisch gesehen werden alte Menschen nicht öfter Opfer von Straftaten als andere Altersgruppen. Die Angst ist unter Senioren aber oft größer als bei jüngeren Menschen. Ein neues Projekt soll den Senioren mehr Sicherheit geben.

Um das Sicherheitsempfinden älterer Menschen zu erhöhen, hat die Polizei in Zusammenarbeit mit der Stadt Kassel jetzt ein neues Präventionsprojekt angestoßen.

Ehrenamtliche Sicherheitsberater, die selbst schon der älteren Generation angehören, sollen ihren Altersgenossen gezielt Tipps geben, wie man sich vor Kriminalität, aber auch Verkehrsunfällen schützen kann.

Zwölf dieser Sicherheitsberater für Senioren (SfS) sind diese Woche von der Polizei für ihre neue Aufgabe geschult worden. Bei den meisten handelt es sich um Mitglieder des Seniorenbeirats der Stadt Kassel, zwei gehören dem türkischen Rentnerverein Emekder an. So soll auch die Information von Senioren türkischer Herkunft gewährleistet sein.

Die ehrenamtlichen Experten kennen sich nun aus mit Maschen wie dem Enkeltrick, mit dem gezielt Senioren hereingelegt werden sollen. Und sie können Tipps geben, wie man sich verhält, wenn ein Fremder an der Tür klingelt und unter einem Vorwand in die Wohnung will. Oft handelt es sich dabei nämlich ebenfalls um Trickbetrüger und Drückerkolonnen. Sie wissen zudem, dass ein einfaches reflektierendes Band an der Kleidung in der dunklen Jahreszeit vor Unfällen schützen kann. Insbesondere für Senioren, die oft nicht mehr so schnell unterwegs sind, ist es wichtig, von Autofahrern gesehen zu werden.

Bei dem Projekt gehe es nicht darum, die umfangreiche Präventionsarbeit der Polizei zu ersetzen, sagte Eckhard Sauer, Polizeipräsident für Nordhessen. Vielmehr sollten die Senioren selbst in ihrem Umfeld die Informationen weitergeben und gegebenenfalls auf Beratungsangebote der Polizei weiterverweisen - etwa den Polizeiladen an der Wolfsschlucht.

„In Kassel gibt es 82 Altenclubs, die vermutlich Interesse an Vorträgen zum Thema Sicherheit haben“, sagt Manfred Aul, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Er betont, dass die ehrenamtlichen Sicherheitsberater nicht eigenmächtig an Haustüren klingeln, sondern auf Anfrage und in ihrem Umfeld tätig werden. „Nicht, dass jemand auf dreiste Betrüger hereinfällt, die sich womöglich als Sicherheitsberater ausgeben“, sagt der 70-Jährige.

Vahiddin Oguz vom türkischen Rentnerverein Emekder sagte: „Ich finde es gut, dass auch an uns gedacht wurde.“ Viele Türken seien in den 60er-Jahren als junge Menschen nach Deutschland gekommen. Auch sie bräuchten nun im Alter Hilfe und Beratung.

Das Präventionsangebot, das 2008 in Offenbach als Pilotprojekt startete, soll nun in sämtlichen Polizeipräsidien umgesetzt werden. In Nordhessen soll es nach dem Auftakt in der Stadt auch auf die Landkreise erweitert werden.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © Archivfoto HNA/Fischer

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