Baumarkt bleibt vorerst offen

Praktiker-Kunden bedauern Insolvenz: "Vielleicht zu günstig"

Kurt Köhler

Kassel. Der Kasseler Praktiker-Parkplatz an der Holländischen Straße ist ein Treffpunkt für Rabattjäger. Doch wie lange er diesen Status noch innehat, ist ungewiss - am Donnerstag musste die Baumarkt-Kette Insolvenz anmelden. Wir haben uns bei Kunden und Mitarbeitern umgehört.

Hugo Heuser aus Liebenau ist einer von ihnen. Wie die meisten anderen Stammkunden auf dem Parkplatz wusste er am Donnerstagmittag bereits von der Praktiker-Insolvenz. Am Donnerstag holte er dort seine bestellten Dachrinnen ab – für die es 25 Prozent Rabatt gab. „Ich wollte sie lieber heute holen, wer weiß schon, was morgen ist?!“

Sabine Noujoks, Pressesprecherin von Praktiker, beruhigt: Die Geschäfte liefen vorerst weiter. Dies gelte auch für den Kasseler Markt. Es werde versucht, so viele Standorte zu erhalten wie möglich. Erst wenn ein Insolvenzverwalter seine Arbeit aufgenommen habe, werde über Schließungen entschieden.

Stammkunde: Reinhard Schüttler aus Vellmar war auch gestern im Praktiker.

Wenn Kassel davon betroffen wäre, fände Philipp Niemann dies bedauerlich. „Die Preise sind gut, die Mitarbeiter nett und die Auswahl groß“, schwärmt der Kasseler. Ähnlich sieht es Kurt Köhler aus Habichtswald, der von der Insolvenz in der HNA gelesen hatte: „Ich bin immer extra hierher gekommen, weil der Baumarkt sehr günstig ist. Rückblickend muss man sagen: Vielleicht zu günstig.“ Sicher hätten Managementfehler zur Insolvenz geführt, denn der Markt sei gut besucht.

Martin Schmidt aus Kassel sagt, er sei ebenfalls treuer Kunde. Und warum? „20 Prozent“, lautet seine kurze Antwort. Gemeint sind die regelmäßigen Rabattaktionen von Praktiker. Bei Schmidt mischt sich in das Bedauern über die Zahlungsunfähigkeit des Konzerns aber auch etwas Vorfreude: „Vielleicht gibt’s jetzt noch weitere Rabatte.“

Christine Salzmann findet die Insolvenz „einfach schade“. Für die Kasselerin ist es der nächstgelegene Baumarkt, bei dem sie schon oft „ein paar Kleinigkeiten eingekauft hat“.

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Rainer Müller aus Grebenstein sieht die Pleite mit gemischten Gefühlen. Seitdem der Kasseler Praktiker-Markt 1999 abgebrannt und später wiedereröffnet wurde, habe das Angebot nachgelassen“, findet Müller. Auch die Preise hätten etwas angezogen. „Es war absehbar, dass das nicht lange gut geht.“

Reinhard Schüttler aus Vellmar ist hingegen Praktiker-Fan. „Hier kauft man gut ein“, sagt er und lädt sechs Säcke Blumenerde in sein Auto.

Einen Kommentar zur Situation und Hintergründe zu Baumärkten in Deutschland lesen Sie in der HNA-Freitagsausgabe.

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