Mitarbeiter des insolventen Sozialkonzerns AKGG wollen Auffanggesellschaft gründen

Pralinen für die Rettung

Suche nach Spendern: Die AKGG-Geschäftsführer (von links) Rut Wilcken, Robert Moos und Anja Marquardt mit Pralinen und der Eintrittskarte zu einer Benefizmatinee. Foto: Janz

Kassel. Die Gehälter sind vorerst gesichert, der Betrieb läuft normal. Dennoch kann es beim insolventen Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) nicht unbegrenzt so weitergehen. Insolvenzverwalter Carsten Koch sucht Investoren, die den Sozialkonzern übernehmen. Auch die Mitarbeiter gehören zu den Interessenten.

Sie planen, eine Auffanggesellschaft für die gemeinnützige GmbH zu bilden. „Die Angestellten wollen Unternehmer werden“, sagt Robert Moos, einer der drei ehrenamtlichen Geschäftsführer. Bis zu 90 Prozent der 253 Mitarbeiter hätten signalisiert, sich mit einer Spende oder einem Darlehen an einer Auffanggesellschaft zu beteiligen.

Doch wird das reichen, um alle finanziellen Ansprüche zu erfüllen? Allein die Mindesteinlage für eine GmbH beträgt 25 000 Euro. Und Geschäftsführerin Anja Marquardt weiß selbst, dass ein künftiger AKGG-Eigner genug Geld mitbringen sollte, um Gehälter und Betrieb für zwei Monate finanzieren zu können – oder zumindest genug Eigenkapital, damit sich Banken beteiligen. Und dann ist da noch die Frage, wie viel Geld die Gläubiger für ihre offenen Forderungen sehen wollen. Insolvenzverwalter Koch will sich zur Summe bisher nicht äußern.

Benefizmatinee

Deshalb entstehen nun ungewöhnliche Ideen, um zusätzliches Geld zu sammeln. Vor allem der Verein „Zahnärzte und Patienten helfen Kindern in Not“ steht dem AKGG zur Seite. Auf seine Initiative findet am Sonntag, 11. März, 11 Uhr, eine Benefizmatinee im Zirkus Rambazotti, Ludwig-Erhard-Straße 21, statt. Brian O’Gott moderiert, Thomas „Stolle“ Stolkmann macht Musik, ein Gemälde von Michael Murx wird versteigert. Im Eintritt von 15 Euro ist das Buffet enthalten.

Daneben verkauft der AKGG Pralinen mit seinem Logo, hergestellt von der Konfisserie „Liaison au Chocolat“. Zwei Mitarbeiter bieten sie am heutigen Samstag in der Kasseler Markthalle an.

„Wir sind nicht so naiv zu glauben, wir könnten mit dem Verkauf von Pralinen alles finanzieren“, sagt Moos. Den Bärenanteil leisteten die Mitarbeiter, die voll hinter einer Auffanggesellschaft stünden: „Das ist unser größter Vorteil, auch im Vergleich zu anderen Investoren“, sagt Moos. Die könnten eine finanziell starke Konkurrenz sein. Die Mitarbeiter wollen dafür mit ihrer Kenntnis des Betriebs punkten, sagt Geschäftsführerin Rut Wilcken.

Trennung von Buntstift

Damit möglichst viel vom AKGG erhalten werden kann, werden sich die Wege mit der – ebenfalls insolventen – 100-prozentigen Tochter Buntstift trennen. Für das Begegnungszentrum an den Teichwiesen in Melsungen wird ein neuer Betreiber gesucht. Die übrigen Angebote, Betreuungs- und Beratungseinrichtungen in halb Nordhessen sowie vier Kindertagesstätten und eine Schule in Kassel, arbeiten laut Geschäftsführung kostendeckend.

Matinee-Eintrittskarten und Pralinen gibt es in der AKGG-Geschäftsstelle, Weißenburgstraße 7, Tel. 05 61 / 81 64 40.

Von Marcus Janz

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