"Nicht unsere Patienten"

Praxisgemeinschaft untersagt Suchtkranken Aufenthalt auf dem Friedrichsplatz

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Die Szene ruft Kritik hervor: Die Menschen, die sich auf dem Denkmal aufhalten, sind nach Angaben der Ärzte keine Patienten des Kompetenzzentrums Sucht am Friedrichsplatz. Foto: Fischer

Kassel. Bei gutem Wetter haben sich in den vergangenen Wochen wieder verstärkt Menschen aus der Trinker- und Drogenszene auf dem Kasseler Friedrichsplatz aufgehalten. Ein Zustand, der von Geschäftsleuten und Passanten in der Innenstadt kritisiert wird.

Eine Erklärung, warum sich die Szene wieder zunehmend auf dem Platz aufhält, lautete, dass die Schwerpunktpraxisgemeinschaft für Suchtmedizin vom Königsplatz an den Friedrichsplatz umgezogen ist.

Die beiden Mediziner, Dr. Bernd Weber und Patrick Haan, die hier seit Oktober 2012 neben dem Kompetenzzentrum Sucht eine klassische Hausarztpraxis und eine psychiatrische /psychotherapeutische Praxis betreiben, weisen das strikt zurück. „Von unseren Patienten hält sich kein einziger auf dem Friedrichsplatz auf“, sagt Weber.

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240 Suchtkranke würden derzeit in der Praxis behandelt. Jeder Opiatabhängige, der sich hier einer substitutionsgestützten Behandlung unterziehe (sogenanntes Methadonprogramm), müsse der Vergabeordnung der Praxis zustimmen. Und diese Ordnung erkläre den Friedrichs-, den Karls- und den Opernplatz zur Bannmeile für Suchtkranke. Hier dürften sie sich nicht aufhalten, nur der Weg zur Praxis sei ausgenommen. Patienten, die gegen diese Regel verstießen und von den Ärzten dort gesehen würden, müssten mit einem Gespräch rechnen. Bringe dies mehrfach keinen Erfolg, müsse der Patient den Arzt wechseln, sagt Haan. „Das ist aber noch nie vorgekommen.“

Ein Teil ihrer suchtkranken Patienten würde sich selbst daran stören, dass sich die Szene auf dem Platz aufhalte, sagen die Ärzte. Aus Angst, dass sie Drogen angeboten bekämen. „Es gibt schon aktive Bestrebungen von den Leuten, auf die Patienten zuzugehen“, sagt Haan.

Bernd Weber

Er und sein Kollege Weber stören sich nicht an der Szene in der Nachbarschaft. „In der Regel, in 99,9 Prozent der Fälle, sind die Leute hier friedlich. Natürlich gibt es auch mal Situationen, die aus dem Ruder laufen. Aber die Menschen haben ein Recht, sich hier aufzuhalten“, sagt Weber.

Der Friedrichsplatz sei eben ein schöner und zentraler Ort, den sie sich zum Zusammensein und Austausch ausgesucht hätten, sagt Haan. Es bringe nichts, die Leute zu vertreiben. Nach Ansicht der beiden Ärzte sei es auch nicht lösungsorientiert, wenn nur die Mitarbeiter des Ordnungsamtes das Gespräch mit der Szene suchten. „Mit dem Ordnungsamt kann man für Ordnung sorgen, hier sind kreative Lösungen gefragt“, sagt Haan. Die Stadt müsse erfragen, was die Menschen für Bedürfnisse haben. Mit dem Panama, dem Nautilus und dem Trinkraum gebe es ja bereits durchaus Modelle, die gut funktionierten.

Die Anrainer des Friedrichsplatzes seien zudem herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild von ihrer Praxis zu machen, sagen die beiden Ärzte.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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