Sozialtherapeutische Anstalt

Premiere nach 33 Jahren: Wehlheider Häftling macht den Meisterbrief

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Meisterfeier hinter Gittern: (von links) Anstaltsleiter Rudi Nebe, der inhaftierte Metallbaumeister Guido Schade, Volker Stieglitz (Berufsbildungswerk Dr. Fritz Bauer) sowie Ralf Christmas Uwe Sachelli (beide Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer) bei der Urkundenübergabe in der Sozialtherapeutischen Anstalt. 

Kassel. Es ist ein Novum in der Geschichte der Sozialtherapeutischen Anstalt (Sotha) in Wehlheiden, in der seit über 33 Jahren insbesondere Gewalt- und Sexualstraftäter untergebracht werden: Am Freitag wurde zum ersten Mal einem Häftling ein Meisterbrief überreicht.

Der 51-jährige Guido Schade, der eine Haftstrafe mit Sicherungsverwahrung wegen Mordes verbüßt, bekam seinen Meisterbrief im Metallbauhandwerk ausgehändigt.

Im Jahr 2009 hatte Schade in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt mit der Meisterschule hinter Gittern begonnen. Im Mai hatte er seine letzte Prüfung. Als Meisterstück hat er einen Smoker-Grill entworfen und gebaut.

In hessischen Gefängnissen ist das Berufsbildungswerk Dr. Fritz Bauer für die schulischen und befuflichen Bildungsmaßnahmen zuständig. Im vergangenen Jahr nahmen daran 3300 der rund 5000 Gefangenen in Hessen teil.

Einer von ihnen ist Schade, der mittlerweile als Ausbildungshelfer jüngeren Gefangenen in der Sotha etwas beibringen kann. Dass er selbst diese höchste Qualifikation, die man im Handwerk erreichen kann, geschafft hat, habe er neben der Büffelei auch der guten Zusammenarbeit der Justizvollzugsanstalt und der Handwerkskammer (HWK) Kassel sowie dem Engagement seiner Ausbilder zu verdanken. „Das war eine gemeinschaftliche Arbeit“, sagte Uwe Sachelli (Meisterprüfungsauschus HWK)“.

Die Kammer unterstütze Strafgefangene gern auf dem Weg zurück in die Gesellschaft, sagte Sachelli. Unterrichtet wurde der Häftling nicht in einer Meisterschule, sondern der Lernstoff wurde ihm von seinen Ausbildern im Gefängnis vermittelt. „Bei den Prüfungen haben wir ganz schön mitgeschwitzt“, sagt Ausbildungsmeister Wolfgang Trübenbach.

Es sei ausgesprochen erwähnenswert, dass die Gesellschaft Strafgefangenen solche Chancen und Geld für eine Ausbildung zur Verfügung stelle, sagte Anstaltsleiter Rudi Nebe bei der kleinen Feierstunde. Mit der Qualifikation könne ein künftiger Ex-Häftling nicht nur seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdienen, sondern entwickele auch Selbstwertgefühl. Der Abschluss des Strafgefangenen sei als „Win-Win-Situation“ zu bewerten. Die Gesellschaft gewinne, wenn Schade sein Können zur Verfügung stelle, er selbst habe den Grundstock für ein neues Leben in Feiheit bekommen, zu dem unbedingt eine Berufsausbildung gehöre. (use)

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