Gegner des Straßenbahnanschlusses Lohfelden wollen Geld lieber investieren für Kinder und Freibad-Erhalt

„Prestigeprojekt“ verhindern

Ausbau des Straßenbahnnetzes: Seit Oktober 2011 fährt die Straßenbahn bis nach Vellmar. Nun befindet sich die Erweiterung des Liniennetzes nach Lohfelden in der Diskussion. Archivfoto: Umbach

Lohfelden. Die Veröffentlichung der HNA über die Ergebnisse der Machbarkeitsuntersuchung für einen Straßenbahnanschluss Lohfeldens hat für Aufsehen gesorgt. Welche Brisanz in diesem Thema steckt, wurde am Freitagabend bei einer Informationsveranstaltung des „Regional Verkehrsvereins-Lohfelden e.V.“ (RVV) in der voll besetzten Crumbacher Gaststätte zum Loh deutlich.

„Eine Mehrheit braucht die Bahn nicht“, man müsse sie wie 1999 mit sympathischen Mitteln verhindern, sagte der RVV-Vorsitzende Jürgen Kirchner zu Beginn der emotionsgeladenen Diskussion. Der Gemeindevertreter der Unabhängigen Liste Lohfelden, der seit 13 Jahren an der Spitze des Vereins steht, kündigte größere Veranstaltungen der Straßenbahngegner an. „Eine Straßenbahn ist antiquiert und quietscht“, außerdem sei das Projekt mit 28 Millionen Euro für den Bau und 465 000 Euro an jährlichen Folgekosten nur teurer geworden, sagte Kirchner. Warum kommt das Thema jetzt wieder auf die Tagesordnung? Teilnehmer an der Diskussion vermuten als „Antreiber“ die KVG, die sich mit dem Schienenstrang auch die Pfründe ihrer Buslinien erhalten möchte. Armin Wagner (75) hat eine andere Erklärung: „Die Gemeinde will die Hauptstraße umgestalten und an der Kreuzung Berliner Straße einen Kreisel bauen“, deshalb solle jetzt die Straßenbahn-Frage geklärt werden, meint der Pensionär.

Vereinsmitglied Karl-Heinz Fischer befürchtet Einbrüche für die Geschäfte, „wenn die Tram vor der Tür hält“. Man sei mit der schnellen Straßenbahn in einer guten Stunde aus Kassel zurück, rechnete Fischer vor. „Deshalb verschleudern wir nur Geld für dieses Prestige-Projekt“, so der Gemeindevertreter der SPD, der Investitionen für Kinder und den Erhalt des Freibads als wichtiger einstuft.

An der Informationsveranstaltung nahmen aber auch Befürworter der Straßenbahn teil. Wie Heino Kirchhof, der sich für die Weiterführung der Tram nach Vollmarshausen und Wellerode starkmachte. Für Ottfried Nießner sind die erheblichen CO2-Einsparungen eindeutig: „Warum sind Sie dennoch gegen die Straßenbahn nach Lohfelden?“, fragte der Holzweganwohner in die Runde. Wie Nießner forderte auch Busnutzerin Anja Röser („Die Kosten für Arbeitnehmer im ÖPNV werden steigen“) mehr Informationen und damit Transparenz für die Bürger. Heute Abend befasst sich das Gemeindeparlament in einer nicht öffentlichen Sitzung mit der Studie über den Tram-Anschluss. (ppw)

Fotos: ppw

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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