Trachtenmode zum Oktoberfest: Immer mehr Nordhessen stehen darauf

Finden Dirndl cool: Ann-Kathrin Rauschert (links) und Jessika Herzig suchen ein Kleid, das sie beim Bayerischen Abend bei der Kirmes in Großenenglis tragen können. Fotos:  Fischer (3)

Kassel. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Richard Skornia, Filialleiter von C&A am Opernplatz. Seit Sommer wird hier Trachtenmode für Damen und Herren angeboten. „Pro Tag verkaufen wir um die 20 Teile.“ Besonders jüngere Leute interessieren sich mittlerweile stark für die Trachtenmode.

Das günstigste Dirndl bei C&A ist bereits für 49 Euro zu haben. In einem Fachgeschäft kostet das bayerische Trachtenkleid schnell einige Hundert Euro.

„Ich finde das cool, das ist mal etwas ganz anderes“, sagt Ann-Kathrin Rauschert. Die 22-jährige Frau aus Borken hat ein blau-braunes Dirndl anprobiert, das ihr ausgesprochen gut steht. Die junge Frau hat auch einen Anlass, bei dem sie das Kleid tragen möchte: Auf der Kirmes in Großenenglis, die im Oktober gefeiert wird, gibt es einen bayerischen Abend.

„Bis gestern galten Trachten als spießig und langweilig. Heute verbindet man mit ihnen Begriffe wie Bio, Romantik und Ehrlichkeit“, erklärt Skornia den Grund für die rasant wachsende Beliebtheit der Dirndl auch in Nordhessen.

Farbenfroh: Sylvia Strenzke probiert bei Frankonia eine Trachtenjacke an.

Beim Dirndl sei der Ausschnitt groß, ohne ordinär zu wirken, sagt Skornia. Mit Trachten verbinde man zudem Ehrlichkeit. Dirndl machten sexy. Sie dürfen aber nicht zu kurz sein. „Das ist ein No-Go“, sagt Skornia. Angesagt ist bis zum Knie oder zur Wade.

Für Janin Schulz (34) ist es auch der erste Dirndl-Kauf. Sie möchte mit ihrem Mann ein Oktoberfest besuchen. Das Paar hat sich Lederhose, Hemd und Kleid im Partnerlook zusammengestellt. „Ich finde das witzig. Man muss auch mal etwas anderes ausprobieren“, sagt Janin Schulz. Bei Adler im Dez gab es auch für kurze Zeit Dirndl. Dort sind die bunten Kleider bereits ausverkauft. Kassel kommt offenbar in den Dirndl--Rausch.

Dass auch jüngere Menschen auf Trachtenmode stehen, beobachtet man bei der Frankonia-Filiale am Scheidemannplatz bereits seit einigen Jahren. „Wir merken schon, dass vermehrt junge Leute kommen“, sagt Filialleiter Michael Jung. Natürlich werde zum Oktoberfest in München speziell die Mode nachgefragt. Aber auch die Zahl der regionalen Oktoberfeste habe zugenommen.

Seitdem die Königsalm in Niestetal eröffnet habe, würden dort auch viele Feste mit Trachten veranstaltet.

Aber es muss ja nicht immer ein ganzes Dirndl sein. Mit einer Leinenweste und Spitzenbluse zur Jeans ist man adäquat für ein Festzelt gekleidet. Eine Trachtenjacke kleidet auch hervorragend. Diese abgespeckte und zurückhaltende Variante der Trachtenmode bevorzugt Sylvia Strenzke aus Kassel. „Ich bin doch nicht in Bayern.“ Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.