1000 Besucher in der Martinskirche  

Priol in Höchstform: Zuschauer genossen Kabarett-Programm

Zottelhaar, rote Brille, buntes Hemd: Viel braucht Urban Priol nicht, um gutes Kabarett zu machen. Seine präzisen Pointen erledigen den Rest. Foto: Schachtschneider

Urban Priol ist sich sicher: Kassel kann stolz sein auf’s Glanzstück Flughafen Kassel-Calden. Das Problem nur: „Keiner will hier weg. Noch nicht mal die, die hier schon länger leben.“

Zack, da war er wieder, der Priol, bissig, kein Blatt vor den Mund nehmend. Vor 1000 Besuchern spielte der Kabarettist mit bayerischen Wurzeln gestern in der Martinskirche. Großartig sein Auftritt, präzise seine Pointen, ein echter Trumpf für den Hessentag.

Systematisch arbeitete er sich durch die Unzulänglichkeiten der Republik, imitierte und karikierte Politiker aller Couleur und sezierte dabei Schwachstelle um Schwachstelle heraus.

Passend zum Superwahljahr krönte er FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle zum Nuschelkönig, der zusammen mit Till Schweiger ein prima Tatort-Gespann abgeben würde. „Ein Fest für Logopäden.“

Der SPD bescheinigte er Dauerangst vor Verantwortung. „Bloß nicht über die 25 Prozent kommen. Aber wir haben ja den Steinbrück. Und im Notfall die Nahles. Da sind wir schnell wieder auf 18.“

Finanzkrise, Europakrise, Angela Merkel, flugunfähige Drohnen, NSU-Prozess, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit, Pferdefleischskandal – und der Armutsbericht. „Die Leute müssen sich halt mal entscheiden, ob sie Arbeiten oder Geld verdienen wollen.“

Urban Priol in der Martinskirche

Am meisten Angst machte Priol das alte Kohl-Zitat: „Politiker, die von der Materie keine Ahnung haben, sollten besser schweigen.“ Priol: „Wenn das mal Schule macht, gibt das einen prima Stummfilm“. Doch dann hätte auch er nichts mehr zu erzählen. Und das wäre wirklich schade.

Von Boris Naumann

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