Friseurmeisterin Sandra Hilpert berichtet über ihren Umgang mit der Coronakrise

Probleme durch die Coronakrise: Kundin kauft als Hilfe Haarschnitte im Voraus

Der Friseursalon Schicke Schnitte an der Friedrich-Ebert-Straße. 
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Der Friseursalon Schicke Schnitte an der Friedrich-Ebert-Straße. 

Nach einer rührenden Facebookbotschaft einer Kasseler Friseurin hat eine Stammkundin einen Gutschein für Haare schneiden für ein halbes Jahr gekauft. So soll zumindest etwas Geld in die Kassel kommen. 

Seit sechs Jahren ist Sandra Hilpert jetzt selbstständig. Alles habe sie sich hart erarbeitet, sagt die Friseurmeisterin. Den ersten eigenen Salon an der Friedrich-Ebert-Straße, dann der Umzug nur wenige hundert Meter weiter die Straße rauf in größere Räumlichkeiten. Alles habe sie gewuppt bekommen – bis jetzt. Das Coronavirus setzt der 50-Jährigen tüchtig zu.

In einem Facebook-Video berichtet Hilpert von ihren Ängsten, weil sie ihren Salon am Montag schließen musste. Dabei fließen auch immer wieder Tränen. Und auch Tage später sagt sie: „Ich heule immer mal wieder.“

Trost spenden da Solidaritätsbekundungen und Hilfsangebote von Kunden. Eine Stammkundin etwa bot Hilpert über Facebook an, einen Gutschein für Haarschnitte für ein halbes Jahr für sich und ihren Mann im Voraus zu kaufen. „Das fand ich so süß“, sagt Hilpert gerührt. Auch andere Kunden hätten ihr geschrieben, ihr Mut zugesprochen oder Haarfarbe bestellt, die bis zur Tür geliefert wird. „Da wird es auf einmal ganz menschlich“, so die Friseurmeisterin.

Sie sei dankbar für jede Hilfe. Die Coronakrise werfe sie und ihre Partnerin Julia Brüssing, die Stuhlmiete zahlt, sehr zurück. „Wir wollten den Salon im Juli eigentlich umbauen. Das wird wohl erst mal nichts. Das ist schon ein Schlag ins Gesicht.“ Sie hoffe, dass alles gut ausgehe.

Wie lange sie den Ausfall überbrücken kann, das weiß Hilpert nicht genau. „Wenn es bei zwei Wochen Schließung bleibt, krieg ich das schon hin. Bei vier Wochen oder mehr wird’s schon eng.“ Sie habe vorsorglich bereits ausstehende Zahlungen gestundet und sich über Förderungen informiert. Sie stehe in täglichem Kontakt mit ihrem Bankberater.

„Ich hoffe, dass das Geld der Bundesregierung auch bei mir ankommt“, sagt die 50-Jährige. Sie habe Sorge, nur eine von vielen zu sein und durchzurutschen. Und noch einen Haken sieht sie: „Irgendwann muss ich das ja alles zurückzahlen. Dann fehlt mir das Geld später.“

Denn die verlorene Arbeitsleistung und damit auch ihren Lohn kann Hilpert nach der Krise nicht wieder reinholen. „Ich hab nur zwei Hände zum Schneiden.“ Aber Klagen ist ihre Sache nicht. „Es sitzen ja alle in einem Boot“, sagt sie. Und statt den Kopf in den Sand zu stecken, plant sie, ihrer Kundschaft die Zeit während der Coronakrise mit Facebook-Videos rund um Schmink- und Frisiertipps zu vertreiben. Und sie will denen helfen, denen es in dieser Zeit noch schlechter geht.

Die Mitglieder ihres Vereins „Sozialer Zaun Kassel“, der sich um Obdachlose kümmert, würden derzeit einkaufen und Hilfspakete für obdachlose Menschen in Kassel zusammenstellen. Darin enthalten sind zum Beispiel Brot, Toilettenpapier, Duschgel und Hundefutter.

„Das verteilen wir an die, die wir auf der Straße finden.“ Denn, so Hilpert: „Das sollte auch bedacht werden, dass diese Menschen in solch einer Krise nicht vergessen werden.“

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