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Neue Kasseler Liga der Wohlfahrtspflege: Probleme gebündelt angehen

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Von: Christina Hein

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Vertreter der neuen Liga Region Kassel (von links): Alexander Ponelies (Caritasverband Nordhessen), Sebastian Maier, (Awo Kassel-Stadt) Tamara Morgenroth (Diakonisches Werk), Nancy Schmidt (Awo Nordhessen), Holger Gerhold-Toepsch (Rotes Kreuz Kassel-Wolfhagen) und Doris Bischoff (Awo Kassel-Land).
Vertreter der neuen Liga Region Kassel (von links): Alexander Ponelies (Caritasverband Nordhessen), Sebastian Maier, (Awo Kassel-Stadt) Tamara Morgenroth (Diakonisches Werk), Nancy Schmidt (Awo Nordhessen), Holger Gerhold-Toepsch (Rotes Kreuz Kassel-Wolfhagen) und Doris Bischoff (Awo Kassel-Land). © Christina Hein

 Die zwei Wohlfahrtspflege-Ligen von Stadt und Landkreis Kassel haben fusioniert.

Kassel – Der Zusammenschluss der beiden Ligen der freien Wohlfahrtspflege in der Stadt und im Landkreis Kassel zur „Liga Region Kassel“ soll die Arbeit von Awo, Diakonie, Caritas, Rotem Kreuz und Co. stärken.

Bei weniger Zeitaufwand, etwa für Konferenzen der Ligen, kann die Konzentration auf die Themenfelder zu einer Intensivierung der Synergien führen. Umso mehr, als einige Mitglieder wie etwa die Kreisverbände des Roten Kreuzes oder der Caritasverband Nordhessen-Kassel ohnehin schon regional aufgestellt sind. Als Vertretung für insgesamt mehr als 30 000 in der Sozialwirtschaft hauptamtlich Tätigen ist die Liga einer der größten Verbände in Nordhessen.

Satzungsgemäß ist der alle zwei Jahre wechselnde Vorsitz der jetzt neuen Liga von Tamara Morgenroth (Diakonisches Werk Region Kassel) an Sozialpädagogin Nancy Schmidt (Abteilungsleiterin Kinder- und Jugendhilfe bei der Awo) übergeben worden.

Wir haben uns mit Vertretern der neuen Liga über Probleme und Herausforderungen unterhalten.

Wo drückt der Schuh am meisten?

Tamara Morgenroth, Diakonisches Werk: Uns bereitet die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich die meisten Sorgen. Sie führt zu gesellschaftlichen Spannungen. Und die sind sehr ungesund.

Nancy Schmidt, Awo: Deshalb haben wir uns für 2022 und 2023 das Motto „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ auf die Fahnen geschrieben. Es steht für uns außer Frage, dass wir uns aktiv beim Kasseler Pakt gegen Armut engagieren. Wir sehen eine wachsende Armut bei Menschen, die das gar nicht kennen und ihrerseits auch nicht wahrhaben wollen. Morgenroth: Wir haben jetzt verstärkt das Phänomen, dass Menschen von Armut betroffen sind, die keine Erfahrung mit staatlicher Unterstützung haben. Die fühlen sich verloren. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, da hinzuschauen und auf diese Menschen zuzugehen.

Wie kann gesellschaftlicher Zusammenhalt konkret aussehen?

Doris Bischoff, Awo: Wir haben zum Beispiel dazu aufgefordert, dass Menschen ihr Energiegeld spenden, wenn sie es nicht dringend selber benötigen: beantragen und dann spenden. Das haben viele gemacht.

Morgenroth: Wir sind bemüht, wo wir können, konkret zu helfen. Menschen, die Schulden haben, können oft am gesellschaftlichen Leben nicht teilhaben. In unseren Schuldnerberatungen können wir konkrete Angebote für gesellschaftliche Teilhabe machen.

Bischoff: Die Leute, vor allem Alte, schämen sich. Deshalb muss das Angebot niederschwellig sein. Wir bauen die Hemmschwellen ab, über Probleme zu sprechen. Das ist der Anfang. Dann finden sich häufig Wege der Hilfe. Morgenroth: Wir sind in unserer Arbeit, in den Kitas und anderen Einrichtungen, täglich im direkten Kontakt mit den Menschen und helfen jetzt schon beim Bürgergeld und anderen Anträgen. Da sind die Wege kurz. Wir sind nah dran an den Menschen und umgekehrt. Bischoff: Wir können Prozesse einleiten, angefangen bei so niedrigschwelligen Angeboten wie einer Hausaufgabenhilfe. Daraus kann dann eine umfassende Hilfe für die ganze Familie erwachsen.

Alexander Ponelies, Caritas: In unserer Arbeit haben wir Kontakt zu allen, beispielsweise auch zu Menschen, die sich sprachlich schwer verständigen können, auch Analphabeten, denen wir mit unseren Übersetzern helfen können. Wir bemühen uns zu gewährleisten, dass sie Hilfe bei Anträgen bekommen.

Welchen Sinn macht die Fusion zu einer Liga Region Kassel?

Ponelies: In der Regel haben beide Ligen separat getagt, hatten aber oft die gleichen Themen auf der Agenda. Da macht es doch Sinn, das zu bündeln und gemeinsam zu arbeiten. Zeit ist schließlich das, was uns allen fehlt. Ich habe früher in zwei Gremien gesessen und finde, dass die Zusammenführung zu einer Liga prima geklappt hat. Schmidt: Die Probleme müssen überregional betrachtet und gebündelt angegangen werden. Die Liga führt alles zusammen, alle Kräfte. Deshalb war es beispielsweise auch möglich, innerhalb kürzester Zeit im vergangenen Jahr einen Kleiderladen für Geflüchtete aus der Ukraine auf die Beine zu stellen.

Was sind ihre Stärken?

Morgenroth: Wir haben in den Ämtern und Behörden vertraute Ansprechpartner, haben in der Regel einen direkten Draht zur Sozialdezernentin der Stadt ebenso wie zum Landrat. Dadurch können wir Themen zeitnah und konkret ansprechen. Umgekehrt sind wir für die politisch Handelnden gefragte Ansprechpartner. So viel geballte Expertise in Sachen Sozialwirtschaft wie in der Liga gibt es nirgendwo. Ponelies: Letzlich haben wir in unseren Verbänden Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, das geht bis hin zur Bundesebene. Und ganz wichtig: Viele der Liga-Mitglieder sind getragen vom Ehrenamt. Da kann gemeinsam schnell eine große Zahl an Helfenden mobilisiert werden.

Morgenroth: Die aktive Teilnahme der Wohlfahrtsverbände am gesellschaftlichen Leben ist ja vom Staatssystem explizit gewünscht.

Sebastian Maier, Awo-Stadt: Unser Vorteil ist, dass wir überparteilich und frei von parteipolitischen Interessen agieren.

Morgenroth: Gleichzeitig wird unsere Arbeit von einem Wertesystem getragen, das in der Gesellschaft eine breite Anerkennung erfährt.

Kontakt zur Liga Region Kassel: nancy.schmidt@awo-nordhessen.de

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