RKH machte in vergangenen zwei Jahren 11,3 Mio. Euro Verlust – Bahntochter nennt Lohnhöhe als Ursache

Aus für Bahntochter RKH: Probleme wurden offenbar lange ignoriert

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Sollen verkauft werden: Die etwa 400 eigenen Busse der RKH, weitere 350 hat sie angemietet, sollen verkauft werden.

Kassel. Die Regionalverkehr Kurhessen (RKH) mit Hauptsitz in Kassel ist am Dienstag in die Offensive gegangen: Bei einer Pressekonferenz nahm die Bahntochter Stellung zur geplanten Schließung des Betriebes bis zum Jahr 2016.

Dabei wurde deutlich, dass sich die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und das damit verbundene steigende Defizit seit Jahren abzeichneten. In den Jahren 2010 und 2011 fuhr die RKH einen Verlust von 11,3 Mio. Euro ein. Bis 2016 werden mit weiteren 19 Mio. Euro Verlust gerechnet.

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„Wir werden den Betrieb geregelt runterfahren“, sagte Geschäftsführer Thomas Prechtl. Bis die letzten Verträge mit den Verkehrsverbünden im Jahr 2016 ausliefen, werde der Betrieb aufrechterhalten. Nach und nach würden die hessenweit 560 Beschäftigten in anderen Bahnbereichen eingesetzt. Der Fuhrpark mit 400 eigenen Bussen werde verkauft, die Zukunft des Betriebshof in der Jägerkaserne sei noch unklar.

Befragt zu den Ursachen für die Schließung, machten Prechtl und der zweite Geschäftsführer Volker Otto die Lohnstruktur ihres Unternehmens verantwortlich. Der Haustarif der RKH liege um 25 Prozent über dem branchenüblichen Tarifvertrag der privaten Omnibusbetriebe in Hessen (LHO-Tarif). Damit sei die RKH bei Ausschreibungen von Linien nicht mehr konkurrenzfähig gewesen. 50 Prozent der Kosten eines Busbetriebes seien Personalkosten. Zwar lägen RKH- und LHO-Tarif was den reinen Stundenlohn (etwa elf Euro) angehe nicht weit auseinander, aber die RKH zahle etwa großzügiger Pausenzeiten.

Fotos: Betriebsversammlung: Angst um Jobs beim RKH

Betriebsversammlung: Angst um Jobs beim Busunternehmen RKH

Unbeantwortet ließen sie die Frage, warum die Firmenführung nicht eher dieser Entwicklung entgegengesteuert habe. Die RKH habe ihre Verluste bis zum Jahr 2009 noch durch profitable Altverträge auffangen können. Diese stammen noch aus den Jahren vor 2005 als die Linien noch nicht europaweit ausgeschrieben werden mussten. Die Verluste ergaben sich aus später gewonnenen Ausschreibungen, die das Unternehmen offenbar nur durch Kampfpreise für sich entscheiden konnte, die aber keinesfalls die Kosten abdeckten. Eine persönliche Verantwortung wies Prechtl, der erst seit Mitte 2011 in der Geschäftsführung zurück. Otto ist seit 2007 Geschäftsführer.

Die Entscheidung, die RKH zu schließen, sei im Herbst gefallen, nachdem die Gespräche mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Ver.di über eine Lohnsenkung gescheitert seien. Hätten sich die Gewerkschaften auf eine mittelfristige Absenkung eingelassen, so Prechtl, hätte die RKH in die Gewinnzone fahren können. Zu einer Rücknahme der Schließung für den Fall, dass die Gewerkschaften jetzt Gespräche anbieten, sagte Prechtl: „Nichts auf dieser Welt ist unumkehrbar.“

Von Bastian Ludwig

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