Auch mittelständische Unternehmen können Fehler durch 3D-Simulation vermeiden

Produktion beginnt am PC

Dreidimensionaler Einblick in die Musterfabrik: Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Markus Schmitz (von links) und Dennis Abel sowie Prof. Sigrid Wenzel vom Fachgebiet Produktionsorganisation und Fabrikplanung machen’s möglich. Fotos:  Uni Kassel, Konrad/Montage: HNA

Kassel. Produzieren, noch bevor der Grundstein für den Bau einer Fabrik gelegt ist: An der Uni Kassel ist das im Fachbereich Maschinenbau mittels einer digitalen Musterfabrik mit dreidimensionalen Modellen möglich. Im Kompetenzlabor Digitale Fabrik des Fachgebiets „Produktionsorganisation und Fabrikplanung“ werden unterschiedliche dreidimensionale (3D) Musterfabriken umgesetzt und können auf einer Großbildleinwand betrachtet werden.

In einem Projekt zum 40-jährigen Bestehen der Uni Kassel etwa kann der Betrachter in eine virtuelle 3D-Fabrik eintauchen und erleben, wie Brauseköpfe teilmontiert, verpackt und zur Endmontage an einen Betrieb versendet werden. Möglich machen die realitätsnahe Darstellung zwei Beamer, ein Server und zwei Rechner zum Aufarbeiten der Bilder.

Laut Professorin Sigrid Wenzel, Leiterin des Fachgebiets, setzen große Firmen schon lange auf die rechnergestützte Simulation von Produktions- und Logistiksystemen. Planer spielten dabei ein Projekt von der Produktidee bis hin zur Auslieferung der Ware virtuell durch, um Planungsfehler zu vermeiden und Planungskosten zu reduzieren.

Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gebe es diesbezüglich allerdings noch Nachholbedarf. „Simulation und Visualisierung machen Innovationsentscheidungen leichter und erschließen möglicherweise auch für KMU Effizienzreserven“, erklärt Wenzel. Vor allem schwer erklärbare Sachverhalte ließen sich mit der 3D-Animation an und in dem Modell des geplanten Systems besser vermitteln und erleben. Ein Anliegen des Fachgebiets ist es, das Thema insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, die oft keine oder nur kleine Planungsabteilungen haben, transparent zu machen. Denn auch sie müssten immer schneller auf Markttrends reagieren und Kosten sparen, wenn sie im Wettbewerb bestehen wollen. Zu diesem Zweck entwickeln Wenzel und ihr Team Assistenzsysteme, die eine einfache Anwendung der Simulationsmethoden ermöglichen.

Simulation und 3D-Visualisierung tragen laut Wenzel nicht nur zu einer optimalen Abstimmung der Produktionsprozesse bei, noch bevor ein Unternehmen den Grundstein für eine neue Produktionsstätte gelegt hat. Sie dienten auch als Argumentationshilfe, um Firmenchefs und Vorstände von den Chancen eines Projekts zu überzeugen. Zudem werde mit dem Projekt das Potenzial der Simulation und 3D-Visualisierung in Ausbildung und Schulungen hervorgehoben.

Unterstützt wird das Jubiläums-Projekt von Sponsoren: Universitätsgesellschaft Kassel (UGK), Gesellschaft zur Förderung der Qualifizierung von technischen und naturwissenschaftlichen Führungskräften in Nordhessen (GFF), MLP Niederlassung Kassel.

Unternehmen können das Simulationslabor besichtigen. Auch ein Fachbuch „Digitale Fabrik“ haben die Kasseler Forscher veröffentlicht (ISBN 978-3-540-89038-6).

Von Mirko Konrad

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