"Es ist eine Ehre, in Kassel Direktor zu sein."

Neuer MHK-Direktor: Er soll Kassels Schätze noch schöner machen

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Aus Gotha als Direktor der MHK nach Kassel gewechselt: Prof. Dr. Martin Eberle.

Für den neuen Chef der Museumslandschaft Hessen Kassel ist Nordhessen bundesweit ganz vorn. Nun will Martin Eberle die MHK noch schöner machen. Wo er zuletzt wirkte, hat er die Besucherzahlen verdoppelt.

„Ein bisschen wird mir jetzt schwindlig“, sagte Prof. Dr. Martin Eberle, als ihn Kunstminister Boris Rhein im Florasaal des Schlosses Wilhelmshöhe als neuen Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel vorgestellt hatte. Eine große, ja „herkulische“ Aufgabe liege vor dem 50-Jährigen, der am 1. Mai sein neues Amt antrat, betonte Rhein – vor allem die, auch außerhalb Nordhessens bekannter zu machen, „was für unfassbare Schätze es hier gibt“.

„Ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe“, schob Eberle, der zehn Jahre Schloss Friedenstein in Gotha geleitet hat, nach. Er hob die bundesweit einmaligen, beispiellosen Investitionen des Landes in die Schlösser, Parks und Museen in Nordhessen und die unglaubliche Dichte und Vielfalt der Kasseler Museumslandschaft hervor. Sie verortet er auf Platz vier hinter Dresden, Berlin und München – das könne man tatsächlich überregional mehr in den Fokus rücken.

„Hier als Direktor vorzustehen, das ist eine Ehre, keine Arbeit“, fasste Eberle seine Aufgabe zusammen. Es sei sagenhaft, dass das Land nach Jahren der Sanierungen und Neukonzeptionen „die Lust noch nicht verloren hat – wahnsinnig beeindruckend“. Das gebe ihm viel Vertrauen für den Posten.

Eberle wiederum habe die Findungskommission im intensiven Auswahlverfahren mit einer sehr differenzierten und facettenreichen Präsentation zur MHK beeindruckt, erläuterte Rhein. Er habe in Gotha eine neue Konzeption durchgesetzt, bauliche Sanierungen begleitet – und das Bauen und Renovieren werde auch in Kassel „nie ein Ende finden“. Große Brocken im „größten Kulturinvestitionsprogramm, das das Land je gestemmt hat“, stehen noch an, so Rhein, etwa das neue Tapetenmuseum, das beide 2023 am liebsten gemeinsam eröffnen möchten.

„Jede Stadt ist anders“, kommentierte Eberle die Verdoppelung der Besucherzahlen in Gotha, da lasse sich kein System automatisch übertragen. Die inhaltliche Verzahnung der MHK-Einrichtungen, Kooperation mit Marketinggesellschaften und Kulturvereinen, Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung, Austausch mit der neuen documenta-Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann – ein paar Punkte auf seiner To-do-Liste gab er preis. Eine gemeinsame Leitung von Fridericianum und Neuer Galerie, wie sie Oberbürgermeister Christian Geselle vorschwebt, steht nicht darauf. „Das sehe ich ein bisschen anders“, so Eberle, zwei Häuser mit zwei Leitungen hätten eben auch zwei unterschiedliche Profile. „Und wir haben eine hervorragende Leiterin.“

Die documenta will Eberle als MHK-Chef unterstützen, persönlich möchte der Kunsthistoriker, der über den Wiener Architekturmaler Franz Heinrich (1802–1890) promoviert wurde, bei der zeitgenössischen Kunst jedoch gern „extra dumm bleiben“: also sich die Freiheit bewahren, zu beurteilen, was ihm gefällt, ohne immerzu mit professionellem Blick zum Beispiel auf eine korrekte Hängung zu achten. 

„Lassen Sie mich noch ein bisschen ankommen“, sagte Eberle bei der einen oder anderen Frage – zum Beispiel nach der Konzeption der Neuen Galerie und mehr Präsenz der documenta-Geschichte. Räumlich angekommen ist der neue MHK-Chef bereits: Er ist schon nach Kassel umgezogen.

Zur Person 

Prof. Dr. Martin Eberle (50, geboren in Schrobenhausen, Bayern) hat bereits einen Teil seines Studiums (Kunstgeschichte, Geschichte, Historische Hilfswissenschaften) in Kassel absolviert. Außerdem studierte er in München, Bamberg und Jena. Nach seinem Volontariat im Grassi-Museum der Stadt Leipzig leitete er dort die Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik, ehe er die Leitung des Gohliser Schlösschens in Leipzig und später des Städtischen Museums Braunschweig übernahm. Seit Oktober 2007 war er Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha. Seit 2013 ist er Honorarprofessor in Erfurt und Leipzig.

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