Veranstaltung im Gießhaus

Verstorbener Professor Rolf Schwendter: Uni gedenkt eines Unikums

Rolf Schwendter: Bei einer Lesung im Jahr 2010 (großes Foto), beim Kochen im Jahr 1998 und auf einer undatierten Aufnahme.

Kassel. Wer, bitte schön, ist Rolf Schwendter? Er ist seit anderthalb Jahren tot und schon kennt an der Uni Kassel kaum noch jemand den dreifach promovierten Ausnahme-Professor.

Diese Erfahrung hat Rolf-Peter Warsitz – wie einst Schwendter ebenfalls Professor am Fachbereich Sozialwesen – zuletzt immer wieder gemacht. Grund sei der rasante Personalwechsel an der Hochschule. Nun ist Warsitz Mitorganisator einer Gedenkveranstaltung für Schwendter, die am Freitag, 12. Dezember, von 15 bis 22 Uhr im Gießhaus der Uni stattfindet.

„Den Typus Schwendter gibt es heute an der Uni nicht mehr“, sagt Warsitz und verschweigt sein Bedauern darüber nicht. Der gebürtige Wiener sei ein Universalgelehrter gewesen mit Doktortiteln in Jura, Staatswissenschaften und Philosophie sowie einer großen Leidenschaft für Theater und Kunst.

Besonders sei der Mann mit Zottelbart und Plastiktüten nicht nur wegen seines unangepassten Äußeren gewesen, weshalb ihn Unwissende für einen Obdachlosen gehalten hätten. Auch seine unkonventionellen Lehrformen hätten ihresgleichen gesucht: Er habe die Institution Hochschule kritisiert und hinterfragt und damit den Anspruch der damaligen reformorientierten Gesamthochschule Kassel (GhK) gelebt.

Schwendter ging nach draußen, unterrichtete in seiner Wohnung oder in seinem „Offenen Wohnzimmer“ an der Goethestraße, wo er kulturelle Werkstätten veranstaltete. Oft begannen seine Seminare erst ab 23 Uhr. Es war chaotisch, es wurde geraucht, aber dennoch sei anspruchsvoll gelehrt worden, sagt Warsitz. Die Studenten hätten bei ihm nicht die Wiedergabe von Wissen erlernt, sondern ein nachdenkendes Wissen.

„Es ist ein Verlust, dass es solche Professoren nicht mehr gibt“, so Warsitz. „Jetzt versuchen wir eine normale Uni zu sein, die sich im Wettbewerb mit anderen Unis misst.“

Schwendter war der direkte Kontakt mit seinen Studenten wichtig. „Er lehnte es ab, Computer, Handys und sogar Schreibmaschinen zu benutzen. Seine Rundbriefe schrieb er mit der Hand“, erinnert sich Warsitz. Die Einladung für die Gedenkveranstaltung ist dennoch am Computer entstanden. Rolf Schwendter starb am 21. Juli 2013 im Alter von 73 Jahren. Er lehrte von 1975 bis 2003 in Kassel.

Von Bastian Ludwig

Termin

• Die öffentliche Gedenkveranstaltung startet am Freitag, 12. Dezember, 15 Uhr, im Gießhaus. Bis 22 Uhr finden Vorträge, Lesungen und Theateraufführungen statt, die Rolf Schwendters Leben und Werk widerspiegeln.

• Anmeldung per E-Mail an: seitz@sozialwesen.uni-kassel.de

Mehr Infos: www.uni-kassel.de

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