Logistik für Olympioniken

Profi-Kanuten vertrauen einem Kasseler ihre ultramodernen Boote an

Vertrauen Bretthauer ihre Boote an: Sebastian Brendel (vorne) und Tim Hecker beim Weltcup in Ungarn.
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Vertrauen Bretthauer ihre Boote an: Sebastian Brendel (vorne) und Tim Hecker beim Weltcup in Ungarn.

Wenn am 23. Juli die Olympischen Sommerspiele im japanischen Tokio beginnen, kann Stefan Bretthauer erst einmal durchatmen. Der 49-Jährige übernimmt die Logistik für internationale Sportwettkämpfe.

Kassel - Denn solange die Kanuten paddeln, die Ruderer rudern und die Bahnradfahrer in die Pedale treten, hat er nichts zu tun. Bretthauers Kernkompetenz: das Transportieren und Lagern von hochmodernen Wettkampfbooten.

Bretthauer stammt aus Hann. Münden und war in seiner Jugend selbst Kanu-Leistungssportler, war erfolgreich auf nationaler Ebene. Während des Maschinenbaustudiums in Kassel kam er zu einem Job als Guide für Raftingtouren auf dem Jordan in Israel. Über diesen Kontakt geriet er an den polnischen Kanubauer Plastex. Bretthauer übernahm den Vertrieb in Deutschland. Dann ging alles ganz schnell: Plastex eroberte mit neuartigen Booten aus Karbon innerhalb eines Jahres den Weltmarkt – und Bretthauer war mittendrin.

Noch heute verkauft er Boote der Marke, seine Haupttätigkeit ist aber eine andere: Er organisiert den Transport der super schnittigen Kanurennboote zu Wettkampfstätten und Trainingslagern. Mittlerweile kümmert er sich auch um Ruderboote und vereinzelt um BMX- und Bahnräder. Auch alle anderen sperrigen Materialien der Sportler werden Bretthauer anvertraut. Werden die Sportgeräte nicht gebraucht, kümmert er sich um die Einlagerung. Hunderte Boote passen in das Lager in seiner Heimatstadt, er selbst lebt am Kasseler Fuldaufer.

Stefan Bretthauer

Sein guter Ruf sprach sich herum, schnell war Bretthauer innerhalb der internationalen olympischen Sportszene stark gefragt. Verbände aus mehr als 20 Nationen gehören zu seinen Stammkunden: Chinesen, Australier, Kanadier und auch die Deutschen mit dem dreifachen Olympiasieger Sebastian Brendel. Mitte Mai holte der Welt- und Europameister beim Weltcup in Ungarn im Zweier-Canadier Gold – sein Boot verfrachtet Bretthauer nach der EM im Juni nach Tokio. Jeder Top-Athlet hat drei oder vier Boote, die jedes Jahr getauscht werden. So kommen schnell fünfstellige Summen für die Ausrüstung zusammen, die oft von Sponsoren übernommen werden.

Mehr als 400 Boote schafft er derzeit nach Tokio, am 14. Juli werden sie dort den Sportlern übergeben. Für den Transport kooperiert er auch mit internationalen Speditionen. Die großen Schiffscontainer versieht er mit einem speziellen Innengerüst, damit die Boote unterwegs nicht beschädigt werden. Nur im Sonderfall werden die Boote per Flug transportiert.

Schon letztes Jahr war alles bereit, um die Boote nach Tokio zu bringen. Als Folge der Corona-Pandemie wurden nicht nur die Olympischen Sommerspiele verlegt, auch alle Weltcups fielen aus. „Für mich war das natürlich katastrophal“, berichtet Bretthauer. Wie es dieses Jahr in Tokio laufen wird, ist noch unklar. „Die Sportler bewegen sich in einer abgeriegelten Blase, ich werde wahrscheinlich zu einer erweiterten Blase gehören. Von Tokio werde ich wohl nichts sehen“, sagt er.

Von Gregory Dauber

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