Deutschlands einziger Profi zeigte wie’s geht

Profi-Rollstuhl-Skater in Kassel: Trotz Lähmung am Limit

Kassel. Actionsport im Rollstuhl: Was unmöglich klingt, ist David Lebusers Leidenschaft. Der 27-jährige Dortmunder ist seit fünf Jahren querschnittsgelähmt und inzwischen der einzige professionelle Rollstuhl-Skater (Chair-Skater) in Deutschland.

Am Wochenende gab Lebuser in der Mr. Wilson-Skatehalle in Rothenditmold einen Skate-Kurs für Rollstuhlfahrer. Etwas „Verrücktheit im Alltag“ hat sich die 44-jährige Katja Lüke aus Kassel von diesem Tag in der Skatehalle versprochen. Krankheitsbedingt sitzt sie seit 15 Jahren im Rollstuhl. Bevor es losgeht, erhalten sie und die 20 weiteren Teilnehmer Helme, Knie- und Ellenbogenschoner. Denn wenn Lebuser zeigt, wie der außergewöhnliche Skater-Nachwuchs die Rampen hochfahren soll, um an der Schräge zu wenden und wieder nach unten zu rauschen, wird der Rollstuhl nicht selten zum Schleudersitz.

Rollstuhl wird Schleudersitz

Katja Lüke hat Angst zu kippen, aber sie traut sich mit jedem Versuch etwas mehr, die Schwerkraft herauszufordern. Die Aufgaben werden immer schwieriger und die Rampen höher. Lebuser macht vor, wie man auf nur zwei Rädern mit dem Rollstuhl fährt und hebt beim Anfahren mit den Vorderrädern ab. Sein 4000 Euro teurer Aktiv-Rollstuhl sieht mit seinen feuerroten Felgen aus wie ein Rennwagen.

David Lebuser

Es ist ein Wunder, dass Lebuser angesichts seiner Vergangenheit das Risiko nicht scheut: Er ist gelähmt, weil er in Berlin nach einer Party ein Treppengeländer hinunterrutschen wollte und dabei das acht Meter hohe Treppenhaus hinabstürzte.

Nach 20 Minuten ist es soweit. Der erste Teilnehmer fliegt bei seinem Manöver in der Skathealle aus dem Rollstuhl und muss wieder hineingehoben werden. Lebuser dreht sich nur kurz zu ihm um und sagt: „Ach, der kennt das schon.“

Katja Lüke aus Kassel lässt sich davon nicht abschrecken. Die anfängliche Angst weicht aus ihrem Gesicht und sie strahlt bloß noch, wenn sie mit ihrem Rollstuhl die Schrägen hinunterfährt und die Vorderräder zu flattern beginnen. „Es hilft mir, zu sehen, dass es die anderen auch machen. Dann schaff ich das auch“, sagt Lüke.

Der jüngste Teilnehmer ist der zehnjährige Sören aus Wetter. Sören geht zum Staunen der Gruppe meist aufs Ganze. Als er einmal eine Rampe nicht hochkommt, schwingt er sich aus dem Rollstuhl. Weil er seine Beine nicht bewegen kann, robbt er mit der Kraft seiner Arme die Rampe hinauf und zieht mit einer Hand sogar noch den Rollstuhl hinter sich her. Deutschland hat bald einen zweiten Profi-Chair-Skater.

Von Bastian Ludwig

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