Kämmerer Dr. Jürgen Barthel will Investitionen der Stadt Kassel reduzieren

Kämmerer will Investitionen der Stadt Kassel reduzieren - Herkulesbahn kommt nicht

Jürgen Barthel

Kassel. Jürgen Barthel ist seit über 20 Jahren Kämmerer in Kassel. Das abgelaufene Haushaltsjahr lief besser als gedacht. Dennoch ist Barthel besonders skeptisch: „Ich war noch nie so unsicher über das kommende Jahr.“

Sorge macht dem Kämmerer die wirtschaftliche Entwicklung. Die berge „erhebliche Risiken“. Kassel sei zwar die dynamischste Stadt Deutschlands. Habe einen guten Branchen-Mix. Zeige eine robuste wirtschaftliche Entwicklung.

Aber eine allgemeine wirtschaftliche Abkühlung könne sich auch auf den Wirtschaftsstandort Kassel auswirken – und damit auf die städtischen Steuereinnahmen. Wie es in der Finanz- und Eurokrise weitergehe, sei ebenfalls offen, was Einfluss auf die Finanzierungsmöglichkeiten der Stadt habe.

Barthel ist ohnehin skeptisch, dass Gewerbe- und Einkommensteuer noch zulegen werden, die bereits auf hohem Niveau lägen. „Die Probleme der Stadt lösen wir nicht mehr über Einnahmesteigerungen“, sagt Barthel. Stattdessen müssten die Ausgaben gesenkt werden.

Jürgen Barthel

Zwar lägen die endgültigen Jahreszahlen noch nicht vor, aber der große Schuldentreiber der Stadt seien nicht die laufenden Ausgaben, sondern die Investitionen. „Das ist die Kehrseite der Medaille, dass wir Schulen, Feuerwehren und Straßen sanieren“, sagt der Kämmerer. Auch die Konjunkturprogramme von Bund und Land hätten dabei Auswirkungen, denn die Stadt ist jeweils mit einem Anteil dabei.

Deshalb erteilt Barthel neuen Forderungen eine klare Absage. „Die Diskussion um die Herkulesbahn ist völlig aus der Welt“, sagt Barthel, der alle künftigen Investitionen auf den Prüfstand stellen möchte: „Wir müssen sehr kritisch schauen, was wir realisieren können.“ Als Beispiele stellt er Investitionen in die Freibäder Harleshausen und Wilhelmshöhe zur Disposition.

So war die alte Herkulesbahn

Linie 13: Die Aufnahme aus den 1950er Jahren entstand an der Kreuzung zur Heinrich-Schütz-Allee. Damals war die Bebauung noch nicht so dicht wie heute. Man konnte noch nahezu ungestört über Kassel blicken. Alle Fotos auf dieser seite stammen aus dem Nachlass von Otto Schlarbaum.
Linie 13: Die Aufnahme aus den 1950er Jahren entstand an der Kreuzung zur Heinrich-Schütz-Allee. Damals war die Bebauung noch nicht so dicht wie heute. Man konnte noch nahezu ungestört über Kassel blicken. Alle Fotos auf dieser seite stammen aus dem Nachlass von Otto Schlarbaum. © 
So war die alte Herkulesbahn
Ende der Linie 13: Am 11. April 1966 rollte die Herkulesbahn zum letzten Mal durchs Druseltal. Die beiden Fahrzeuge konnten die vielen Menschen, die nochmal mitfahren wollten und sich an der Endstation dem Fotografen stellten, kaum aufnehmen. © Lengemann
So war die alte Herkulesbahn
 © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Von 1903 bis 1966 brachte sie die Fahrgäste zum Herkules und auch wieder zurück: Die Herkulesbahn, die hier auf einem Bild in den Anfangsjahren festgehalten wurde. © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Bergbahn-Idylle: Ein Zug der Herkulesbahn auf dem Weg zur Endstation im Bergpark Wilhelmshöhe. Die einstige Endstation (links im Bild) lag unterhalb des Herkules-Bauwerks. © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Endstation Herkules, damals bequemer Ausgangspunkt für Wanderungen im Habichtswald. © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Straßenbahnaustellung im Stadtmuseum Aus Alt mach’ Neu: Von 1903 bis 1966 fuhr die Herkulesbahn bereits vom Palmenbad zum Herkules. Ein altes Plakat zeigt die damaligen Preise in Pfennig. © Archivfoto/Repro: Lantelme
So war die alte Herkulesbahn
Wagen 5 mit altem Bügel © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Einfahrt zum Steinbruch, Druseltal © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
 © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Alte Zeiten, alte Kleidung © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Neu Holland einst © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Wagen 21, Bj. 1903, Crede; 8,12 m Länge, 42 Personen, hier beim Reichskriegertag 1936 © Archiv
Abzweig im Druseltal: An der Gaststätte Neuholland, die bis heute in Betrieb ist, bog die Straßenbahn in Richtung Herkules ab.
Abzweig im Druseltal: An der Gaststätte Neuholland, die bis heute in Betrieb ist, bog die Straßenbahn in Richtung Herkules ab. © 
So war die alte Herkulesbahn
Wagen 28, Bj: 1909, Herbrand; 9,57 m Länge, 33/44 Personen, Normalbesetzung und Ausnahmefälle © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Auf der Brücke an der Kohlenstraße © Archiv
Attraktive Endstation: Hier stiegen die Fahrgäste aus und gingen das letzte Stück zu Fuß.
Attraktive Endstation: Hier stiegen die Fahrgäste aus und gingen das letzte Stück zu Fuß. © 
So war die alte Herkulesbahn
 © Archiv
privat
Zeitreise: Letzte Fahrt der Herkulesbahn durch die Hugo-Preuß-Str. vorbei am Luisenhaus © Archiv
So war die alte Herkulesbahn
Herkulesbahn im Winterkleid. 1956 © Kurt Hohman/nh

Lesen Sie auch:

- Hat Tramprojekt Chance?

- Museumslandschaft Hessen Kassel: Welterbe auch mit Tram

- Vorstudie der KVG: Herkulesbahn würde 13,4 Millionen Euro kosten

Kritisch sieht Barthel auch die steigenden Anforderungen, die von außen an die Stadt herangetragen würden: „Bund und Land überschütten uns mit Aufgaben, die wir uns nicht leisten können.“ So könne sich die Stadt die Betreuung für Kinder unter drei Jahre einfach nicht leisten. Barthel sieht eine grundsätzliche Unvereinbarkeit: Die Leistungen sollten gleich bleiben, es kämen sogar Forderungen dazu, aber zugleich sollten die Schulden abgebaut werden. „Das kann nicht funktionieren“, sagt der Kämmerer.

Von Marcus Janz

Zum Thema: Stadt macht nur Hälfte der Schulden

Die Stadt Kassel wird das Haushaltsjahr 2011 besser abschließen als erwartet. Kämmerer Dr. Jürgen Barthel erklärte gegenüber der HNA, dass das Defizit deutlich geringer ausfallen werde. Die Stadt müsse vermutlich nur etwa die Hälfte der erwarteten Neuschulden machen.

Im Haushaltsplan für das abgelaufene Jahr war noch eine Kreditaufnahme von 76,9 Millionen Euro vorgesehen. „Ich bin da vorsichtig, aber wir bewegen uns auf eine Halbierung dieses Betrags hin“, sagte Barthel. Grund für die Entwicklung seien zum einen Einsparungen von mehr als zehn Millionen Euro. Zum anderen fielen die Einnahmen höher aus. Anstatt der veranschlagten 135 Millionen Euro Gewerbesteuer werde die Stadt voraussichtlich knapp 160 Millionen Euro einnehmen. Damit wird der Vorjahresrekord von 164 Millionen Euro zwar verfehlt, „aber das ist eine extrem gute Stabilisierung auf sehr hohem Niveau“, sagte Barthel. Im Haushalt waren ursprünglich Ausgaben von 672,5 Millionen Euro vorgesehen und Einnahmen von 595,6 Millionen Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.