Experte: Alkoholkonzentration der Atemluft eilt der Blutalkoholkonzentration voraus

5 Promille sind äußerst selten

Unfallstelle an der Heinrich-Schütz-Allee: Ein Autofahrer, bei dem ein Atemalkoholtest einen Wert von 5 Promille ergab, fuhr am Dienstag in diesen Zaun.
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Unfallstelle an der Heinrich-Schütz-Allee: Ein Autofahrer, bei dem ein Atemalkoholtest einen Wert von 5 Promille ergab, fuhr am Dienstag in diesen Zaun.

Ein Experte äußert sich über den Unterschied zwischen der Alkoholkonzentration der Atemluft und der Alkoholkonzentration im Blut eines Menschen.

Kassel - Der Wert hört sich gewaltig an. Rund 5 Promille war das Ergebnis eines Atemalkoholtests, den ein 52-jähriger Autofahrer aus dem Landkreis Kassel am Dienstagnachmittag machen musste. Zuvor war der stark alkoholisierte Mann, der mit einem BMW auf der Heinrich-Schütz-Allee in Bad Wilhelmshöhe unterwegs war, in einen Zaun gefahren. Er musste die Beamten zur Blutentnahme aufs Revier begleiten.

Dass der Wert der Blutentnahme genauso hoch wie der des Atemalkoholtests ausfallen wird, das bezweifelt Dr. Walter Martz, Abteilungsleiter des Alkohol- und forensisch-toxikologischen Labors des Rechtsmedizinischen Instituts der Uniklinik Gießen. „Den Wert von 5 Promille können wir nicht richtig ernstnehmen. Dass bei Atemalkoholtests so hohe Werte herauskommen, passiert nicht so selten.“ Hingegen komme es im Durchschnitt nur ein paar Mal pro Jahr im Institut in Gießen vor, dass tatsächlich auch eine Blutalkoholkonzentration von 5 Promille ermittelt werde. Zwischen beiden Messwerten gebe es starke Diskrepanzen.

Die Höhe der gemessenen Atemalkoholkonzentration hänge – neben der getrunkenen Alkoholmenge – davon ab, wann der Betroffene zum letzten Mal Alkohol getrunken habe, so Martz. „Die Alkoholkonzentration der Atemluft eilt der Blutalkoholkonzentration voraus.“ Wenn die letzte Alkoholaufnahme innerhalb der vergangenen zwei Stunden stattgefunden habe, dann sei der Atemalkoholwert deutlich höher (bis doppelt so hoch) verglichen mit der Blutalkoholkonzentration. Zwei bis fünf Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum stünden die Atemalkoholkonzentration und die Blutalkoholkonzentration etwa in einem konstanten Verhältnis. Nach fünf Stunden sei dann die Blutalkoholkonzentration höher als die Atemalkoholkonzentration, so der Experte.

In dem aktuellen Fall aus Kassel würde er sich nicht wundern, wenn bei dem Autofahrer eine Blutalkoholkonzentration zwischen 2 und 3 Promille festgestellt werde, sagt Martz. Dies werde man wohl in der kommenden Woche sehen. Für eine nicht unerhebliche, jedoch geringere als durch den Atemalkoholwert angedeutete Blutalkoholkonzentration spreche auch, dass der Mann nach dem Unfall noch selbstständig aus dem Auto gestiegen sei.

Wer eine Blutalkoholkonzentration von 5 Promille habe, befinde sich vermutlich in einem komatösen Zustand, zumindest könne die Konzentration lebensbedrohlich sein, sagt Martz. Nach Lehrbuch können Menschen bereits ab 3,5 Promille eine tödliche Alkoholvergiftung erleiden. Das hänge von der individuellen Befindlichkeit einer Person (Alter, Gewöhnung und Geschlecht) ab, so der Experte. Gewicht spiele eine eher untergeordnete Rolle.

(Von Ulrike Pflüger-Scherb)

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