Aufregung in Niederzwehren: Prostitution mitten im Wohngebiet

Kassel. „Vier heiße Girls warten auf Dich, Anna, Karina, Patricia, Nicole“, machen vier Prostituierte in einem Anzeigenblatt auf ihre Arbeit aufmerksam. In dem Internetportal Rotlichthessen.de werben die Frauen ebenfalls.

„Entfliehe dem trockenen Alltag und erfrische Dich in unserer Lustoase.“ Sie bieten ihre Dienste in einem Reihenhaus in Niederzwehren an, direkt am Dorothea-Viehmann-Park.

Anfang des Jahres habe er mitbekommen, dass hier eine Art Bordell eröffnet hat, erzählt ein Anwohner. Auffällig viele Autos aus dem Landkreis Kassel parkten seitdem vor dem kleinen Reihenhaus. Von einem hohen Verkehrsaufkommen auf der Straße und zahlreichen Männern, die den ganzen Tag dort klingelten, berichtet eine Nachbarin. Das neue Bordell ist das Thema in der Nachbarschaft. Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch bestätigt, dass deshalb auch schon die Polizei kontaktiert wurde.

Einige Anwohner fragen sich, ob es überhaupt erlaubt ist, dass die Frauen ihre Liebesdienste in dem 1939 errichteten Reihenhaus anbieten. Das Ordnungsamt habe hier, außerhalb des Sperrbezirks, keine Handhabe, um gegen die Wohnungsprostitution vorzugehen, sagt Hartmut Bierwirth. Bislang sei dem Ordnungsamt das neue Etablissement auch noch nicht bekannt gewesen. Man könne dort nur einschreiten, wenn zum Beispiel durch den Betrieb die Nachtruhe der Anwohner gestört würde oder die Prostituierten mit obszönen Bildern am Haus für ihre Dienstleistung werben würden.

Auch wenn das Ordnungsamt keine Handhabe gegen das Bordell hat, so könnte nun das Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht den Prostituierten einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn dort ein Bordell betrieben werde, dann sei eine Nutzungsänderungsgenehmigung erforderlich, sagt der städtische Mitarbeiter Thomas Theel.

Die Behörde müsse allerdings beweisen, dass hier einem Gewerbe nachgegangen werde. Wenn dies bejaht werden sollte, sei eine Genehmigung dafür erforderlich. Diese könne aber nur erteilt werden, wenn dies nicht gegen das Planungsrecht verstoße, sagt Theel. „Vergnügungsstätten sind in einem reinen Wohngebiet laut Planungsrecht unzulässig. Ohne Wenn und Aber.“ Bei der Straße in Niederzwehren handele es sich um ein reines Wohngebiet.

Die Mitarbeiter des Amtes für Stadtplanung würden das Etablissement am Dorothea- Viehmann-Park jetzt unter die Lupe nehmen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Rubriklistenbild: © Foto: Pflüger-Scherb/ Montage: Trolp

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