"Gebt dieser Scheißpartei keine Stimme"

AfD-Wähler sollen draußen bleiben: Kasseler Club protestiert gegen rechts

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Auch mit diesen Bildern protestiert der Kasseler Club 130 BPM auf Facebook gegen die AfD.

Mit eindeutigen Facebook-Posts haben die Betreiber des Kasseler Clubs 130 BPM gegen die AfD Stellung bezogen. Wähler der Rechtspopulisten sind dort nicht erwünscht. Geht der Protest zu weit?

Kurz vor der hessischen Landtagswahl dachte Joachim Batke, dass er jetzt etwas tun müsste. Die positiven Umfragewerte der AfD beunruhigten den Betreiber des Kasseler Clubs 130 BPM und seine Mitarbeiter. "Eigentlich sollte ein Laden wie unserer politisch neutral sein, aber irgendwo ist eine Grenze überschritten", fand Batke, der schon mit dem Musiktheater einen der wichtigsten Live-Clubs der Region unterhielt.

Also veröffentlichte sein Team bei Facebook drei Posts, deren Botschaften gegen die AfD eindeutig waren. "Kein Kreuz und keine Party für Rassisten", steht dort ebenso wie die Forderung, "dieser Scheißpartei keine Stimme zu geben". In Anlehnung an einen Kuchen, den Protestler der AfD-Politikerin Beatrix von Storch 2016 in einem Hotel in Wilhelmshöhe ins Gesicht warfen, heißt es: "Liebe AfD, die nächste Torte steht schon bereit." Und an Björn Höcke, den Rechtsaußen der Partei, den Satiriker gern als Bernd bezeichnen, war der Appell gerichtet: "Behalt den neoliberalen, rassistischen Scheiß für dich, lieber Bernd!"

Die ungewöhnlichen Meinungsäußerungen wurden bei Facebook sogleich mehr als 100 Mal geliked. Das sind ungewöhnlich viele Reaktionen für eine Seite, die mehr als 18.000 Fans hat. Zugleich wurden die Postst kontrovers diskutiert. Ein Björn schrieb: "Ihr solltet nicht zu politisch werden. Bleibt bei dem, was euch ausmacht. Des Weiteren grenzt ihr mit solch einem Verhalten ebenfalls Menschen aus." Batke schätzt, dass 70 Prozent der Reaktionen positiv waren, 20 Prozent unentschieden, und 10 Prozent "haben uns mit der Antifa gleichgesetzt".

Auch Fußball-Vereine protestieren gegen AfD

Damit ist eine Diskussion in Kassel angekommen, die das Land andernorts schon länger beschäftigt. Die Frage lautet: Ist es gut, wenn Geschäftsleute, Institutionen oder Vereine gegen die AfD Stellung beziehen? Anfang des Jahres hatte Peter Fischer, Präsident des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt erklärt, niemand könne Mitglied seines Vereins sein, "der diese Partei wählt". Ähnlich hatte sich Werder Bremens Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald geäußert. Aus der Wirtschaft ist Siemens-Chef Joe Kaeser einer der wenigen, die die AfD kritisierten. Seiner Ansicht nach schade der Nationalismus der Rechtspopulisten "dem Ansehen unseres Landes in der Welt".

Batke findet solche Aktionen gut: "Vielleicht kommen die Leute, die die AfD wählen, so ins Überlegen." Sein Club 130 BPM, der anders als das alte Musiktheater nicht mehr nur Rock-Liebhaber anlockt, sondern auch Techno- und HipHop-Fans, liegt im Stadtteil Rothenditmold. Hier hat die AfD (15,3 Prozent) bei der Landtagswahl mehr Stimmen bekommen als die CDU (14,5) - allerdings auch weniger als Grüne (22,1), SPD (18,2) und Linke (17,5).

Joachim Batke

"Es ging uns darum, Farbe zu bekennen", sagt Batke, der das mit seinem Team auch im Party-Alltag tut. Einschlägige Acts wie Böhse-Onkelz-Coverbands sowie die Neue-Deutsche-Härte-Formation Riefenstahl wollten hier auftreten und durften nicht. Und auch "AfD-Sympathisanten sollten lieber draußen bleiben. Wir machen von unserem Hausrecht Gebrauch", sagt der 55-Jährige. Rausgeworfen würden sie aus dem 130 BPM nicht, aber wer zum Beispiel ein T-Shirt der Rechtsproll-Rockband Böhse Onkelz trägt, muss es ausziehen oder links herum tragen.

Ähnliche Probleme haben andere Clubs in Kassel nicht, die sich politisch positionieren. Mathias Jakob vom Unten kann sich an keinen einzigen Fall erinnern. Und das Kulturzentrum Schlachthof hat laut Mitarbeiter Marcel Klier nur positive Reaktionen auf die Transparente an der Hauswand bekommen, auf denen "Flucht ist kein Verbrechen" und "Sichere Brücken statt Tod im Mittelmeer" steht.

Feine Sahne Fischfilet im Club 130 BPM

Das 130 BPM bereitet sich derweil auf das Konzert von Feine Sahne Fischfilet am 6. Dezember vor. Über die Ska-Punk-Band aus Mecklenburg-Vorpommern rümpfen viele Konservative und Rechte die Nase, weil sie vor Jahren im Verfassungsschutzbericht auftauchte und musikalisch gegen Neonazis kämpft. Mögliche Proteste vor dem seit Wochen ausverkauften Auftritt "lassen uns kalt", wie Batke versichert: "Sollen sie doch machen."

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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