Seniorenwohnanlagen: Mitarbeiter wollen protestieren

Protestaktion vor dem Schlösschen Schönfeld: Mitarbeiter der Seniorenwohnanlagen Kassel machten gestern vor der GNH-Aufsichtsratssitzung ihrem Ärger über die Verkaufspläne für die beiden Seniorenzentren Lindenberg und Fasanenhof Luft. Foto: Koch

Kassel. „Wir fordern Schutzschirm für die SWA“, stand auf dem Transparent, mit dem am Mittwoch etwa 50 Mitarbeiter der Seniorenwohnanlagen Kassel vor dem Schlösschen Schönfeld gegen den drohenden Verkauf der beiden Seniorenzentren am Lindenberg und im Stadtteil Fasanenhof protestierten.

Im Schlösschen Schönfeld tagte der Aufsichtsrat der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH), der auch über die Zukunft der beiden Seniorenheime beriet. Über das Ergebnis wurde gestern noch nichts bekannt.

Die SWA-GmbH wird nach Einschätzung eines Wirtschaftsprüfers auch in den nächsten Jahren einen Verlust von bis zu einer Million Euro jährlich machen. Weil dies zu einer Gefahr für den Kasseler Klinikkonzern werden könnte, sollen die Seniorenwohnanlagen möglicherweise verkauft werden. Das wäre frühestens ab 2015 möglich, wenn der Zukunftssicherungsvertrag zwischen der GNH und den Beschäftigten des Klinikkonzerns ausläuft.

Laut Gutachter sind für die Verluste die von der SWA gezahlten Löhne und Gehälter verantwortlich, die 20 bis 25 Prozent über der Entlohnung in vergleichbaren Betrieben liegen. Eine Lohnabsenkung in dieser Größenordnung lehnt die Gewerkschaft Ver.di ab. Das bekräftigten gestern auch die Mitarbeiter während ihrer Protestaktion. „Sozialabbau hat begonnen“ und „Sozialer Kahlschlag“ lauteten die Parolen. Die Kollegen seien über die Pläne sehr enttäuscht, sagte Betriebsrätin Stephanie Roß-Stabernack, zumal die SWA in früheren Jahren auch Gewinne erwirtschaftet hätten.

GNH-Aufsichtsratschef und Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) und GNH-Arbeitsdirektorin Birgit Dilchert – bis zu ihrem Wechsel in den Personalvorstand im Jahr 2004 Ver.di-Gewerkschaftssekretärin – stellten sich kurzen Gesprächen mit den SWA-Mitarbeitern. Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Harald Fennel erklärte, zwar sei in Sonntagsreden die Aufwertung der sozialen Berufe ein Thema, doch weiterhin werde versucht, Billiglöhne durchzusetzen. Er kündigte weitere Gegenwehr zu den Verkaufsplänen an.

In den Seniorenzentren am Lindenberg im Stadtteil Forstfeld und im Stadtteil Fasanenhof gibt es 180 Pflegeplätze, 424 betreute Seniorenwohnungen und einen ambulanten Pflegedienst. Insgesamt arbeiten dort 210 Beschäftigte.

Von Jörg Steinbach

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