Künstler verteilen Plakate und Sticker

Proteste gegen „Querdenker“: Kasseler haben Sorge vor erneuten chaotischen Zuständen

Immer wieder kommt es auf Corona-Demos zu Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei: So auch bei der Demo am 20. März 2021 in Kassel. Droht der Stadt erneut ein Chaos?
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Immer wieder kommt es auf Corona-Demos zu Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei: So auch bei der Demo am 20. März 2021 in Kassel. Droht der Stadt erneut ein Chaos?

Noch ist unklar, ob mehrere tausend „Querdenker“ am Samstag in Kassel demonstrieren dürfen. Unterdessen machen nicht nur Künstler gegen die Corona-Demos mobil.

Kassel – Wie sehr die große „Querdenker“-Demonstration vom 20. März die Menschen auch Wochen später noch beschäftigt, merkte Britta Wagemann bei Online-Workshops. Drei Netztreffen mit 35 Teilnehmern organisierte sie mit ihrem Kunststudio Raamwerk. „Die Leute hatten echten Gesprächsbedarf und haben sich ohnmächtig gefühlt angesichts der Massen“, sagt Wagemann.

Wie viele andere haben auch die Raamwerk-Mitglieder Sorgen vor diesem Samstag. In der Innenstadt haben Kritiker der Corona-Maßnahmen drei Veranstaltungen angemeldet. Zum „Mittsommer in Kassel“ werden mindestens 3000 Teilnehmer erwartet. Die Stadt hat die Veranstaltungen sowie zwei Gegendemonstranten jedoch vorerst verboten. Die Organisatoren wollen dagegen vorgehen. Der juristische Streit könnte die Gerichte bis Freitag beschäftigen.

„Querdenker“ planen weitere Corona-Demo: Künstler aus Kassel engagieren sich

Unterdessen haben sich die Raamwerk-Leute längst positioniert. „Wir finden es falsch, der Pandemie ohne Maske und Abstand zu begegnen. Ein großer Teil der Demonstrierenden verbreitet zudem Verschwörungsmythen und benutzt nicht akzeptable Symbolik für ihre Kritik“, sagt Wagemann.

Verbreitet Liebe, nicht Corona: Plakat der Gruppen Raamwerk und Fairachten am Bahnhof Wilhelmshöhe.

Darum haben Raamwerk und das Kollektiv Fairachten Plakate gestaltet, für die sie Illustrationen von weiteren Gestaltern bekamen. Sie werden an Menschen und Firmen verteilt, „die Haltung zeigen wollen“, wie Wagemann sagt. Und auch die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) hat die Ideen aufgenommen. Zwei Busse fahren mit dem Slogan „Abstand halten gegen Rechts“ durch die Stadt. Und vor dem Bahnhof Wilhelmshöhe hängt ein Citylight-Poster, das verkündet: „Spread love, not Corona!“ Man soll also Liebe verbreiten und nicht das Virus.

Corona: Kaufleute und Stadt Kassel positionieren sich klar gegen „Querdenker“-Bewegung

Auch die City-Kaufleute unterstützen die Aktion. Ihr Vorsitzender Alexander Wild erinnert sich noch an die „anarchistischen Zustände“ vom 20. März, als viele Geschäfte angesichts des Ansturms schließen mussten: „Wir können die Demos nicht gebrauchen. Wenn sich die Querdenker versammeln, wird kein Kunde zum Bummeln in die Stadt kommen.“

Das Kasseler Stadtparlament hatte sich bereits am Montag mit einer Resolution gegen „eine kleine Minderheit an Menschen“ positioniert, „die sich unsolidarisch verhält: Sie sind in unserer Stadt nicht willkommen.“ Organisator Felix Blessmann schreckt das nicht ab: „Die Resonanz ist zu deutlich größeren Teilen positiv, als es die etablierten Medien darstellen. Auch nach dem 20. März waren viele Menschen sehr positiv von dem beeindruckt, was sie mit eigenen Augen wahrnehmen durften.“

Unterdessen bereitet sich die Polizei auf einen Großeinsatz vor. Der von vielen kritisierte Einsatz am 20. März sei „intensiv analysiert“ worden, sagt ein Sprecher. Diesmal solle „durch starke Polizeipräsenz und umfangreiche Maßnahmen das Entstehen verbotener Versammlungen von Beginn an verhindert oder diese so frühzeitig wie möglich aufgelöst werden“. Gegen Auflagenverstöße soll nun „von Beginn an“ vorgegangen werden. (Matthias Lohr)

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