Karl-Hermann Wegner ist gegen Märchenwald auf Brüder-Grimm-Platz

Ehemaliger Stadtmuseumsleiter über Grimm-Platz-Pläne: „Proteste haben oft Gutes bewirkt“

So soll er aussehen: Auf dem Brüder-Grimm-Platz soll in der Mitte der Kiefernwald wachsen. Quelle: Club L94
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So soll er aussehen: Auf dem Brüder-Grimm-Platz soll in der Mitte der Kiefernwald wachsen.

Seine Hoffnung will Karl-Hermann Wegner nicht aufgeben. Der Gründungsdirektor und ehemalige Leiter des Kasseler Stadtmuseums ist gegen die Pläne für einen Märchenwald auf dem Brüder-Grimm-Platz. Er wünscht sich, dass die Bürgerproteste auch diesmal Wirkung zeigen.

Kassel - Sollten die ausgezeichneten Entwürfe der Kölner Landschaftsarchitekten Club L94 umgesetzt werden, zerstöre dies den denkmalgeschützten Charakter des Platzes.

Wegner hält die aktuelle Platzgestaltung durchaus für gelungen. „Es handelt sich um eine mustergültige Gestaltung der Nachkriegszeit. Schon jetzt hat der Platz Aufenthaltsqualität.“ Sicherlich bedürfe der Platz einer Überarbeitung, aber ein Wald – der Blickachsen und historische Gebäude wie die Torwache, das Landesmuseum und die ehemalige Arnoldsche Tapetenfabrik verdecke – sei völlig fehl am Platz.

Er ist ein Gegner der Pläne: Karl-Hermann Wegner auf dem heutigen Brüder-Grimm-Platz.

Das Baumrund des Waldes, das an die historische Platzgestaltung erinnern soll, werde man auf dem Platz zudem gar nicht wahrnehmen. Dies sei nur aus der Vogelperspektive möglich. Zudem stört den Historiker, dass die Randbereiche vor den Gebäuden komplett gepflastert werden sollen. „Da ist die Grünfläche jetzt größer.“

Wegner hofft, dass der Widerstand aus der Bevölkerung Wirkung zeigt. „Bürgerproteste haben schon oft Gutes bewirkt.“ Als Beispiel nennt er den Obelisken: „Da wurde erst der ideale Standort Treppenstraße gefunden, nachdem es an anderen Stellen Widerstand gegeben hatte. Auch die bereits geplante komplette Bebauung des Weinbergs sei in den 70er-Jahren durch Bürger verhindert worden. Mehrfach habe es dafür Pläne gegeben. „Der ganze Hang sollte einst bebaut werden über die Frankfurter Straße hinweg und bis in die Karlsaue hinein. Auch Anfang der 80er-Jahre gab es noch konkrete Pläne für ein großes Hotel auf der Weinbergkrone.“ Heute seien die meisten wohl froh, dass dieses Vorhaben abgewendet werden konnte, das damals in der HNA als Kassels „bedeutendstes städtebauliches Projekt des Jahrzehntes“ gepriesen wurde. Der Münchner Architekt Alexander Freiherr von Branca – der auch das Olympische Dorf in München mitentworfen hatte – war seinerzeit als Sieger aus dem Gestaltungswettbewerb der Stadt hervorgegangen.

Durch den Widerstand der Bürger verhindert: Anfang der 70er-Jahre wurden die Pläne für eine fast vollständige Bebauung des Weinbergs veröffentlicht, die sich bis über die Frankfurter Straße in die Aue ziehen sollte. Archivfoto: Baron

Der Kasseler Historiker kann nicht verstehen, warum der Brüder-Grimm-Platz überhaupt mit Priorität umgestaltet werden soll. „Andere Plätze wie der Karlsplatz, der Holzmarkt oder der Holländische Platz hätten es viel nötiger. Deren Aufenthaltsqualität ist schlechter.“

Wie die HNA berichtete, soll der Brüder-Grimm-Platz ab Ende 2022 für zehn Millionen Euro umgestaltet werden. 6,5 Millionen Euro kommen vom Bund. (Bastian Ludwig)

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