Hersteller lockt junge Leute als Vertriebspartner an

Provisionsversprechen: Dubiose Deals mit Energydrink

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Mit Vorsicht zu genießen: Der Energydrink Verve sorgt in Kassel für Aufregung. Die Vertriebsmethoden der Firma Vemma sind umstritten. Sie wirbt junge Leute als Vertriebspartner an, denen hohe Provisionen in Aussicht gestellt werden.

Kassel. In Kassel werden seit Kurzem offenbar gezielt junge Leute angeworben, die als Vertriebspartner den Verkauf eines Energydrinks ankurbeln sollen.

Dabei werden ihnen hohe Provisionen in Aussicht gestellt.

Verbraucherschützer warnen vor den dubiosen Vertriebsmethoden der Herstellerfirma Vemma, die bereits in Österreich und im süddeutschen Raum in die Schlagzeilen geraten ist.

Der Energydrink „Verve“ ist nicht in Geschäften erhältlich. Die Dosen können über das Internet bestellt werden. Um Kunden zu finden, setzt die US-amerikanische Firma darauf, dass junge Leute in ihrem Bekanntenkreis Werbung für das Getränk machen.

Eine 22-jährige Studentin aus Kassel war Anfang April von einem Bekannten zu einer Veranstaltung eingeladen worden, bei der offenbar Vertriebspartner geworben werden sollten. „Man hat uns gesagt, das werde unser Leben verändern“, erzählt die junge Frau gegenüber der HNA. In einem Gemeinschaftsraum des neuen Max-Kade-Wohnheims auf dem Uni-Campus habe dann ein junger Mann aus Mannheim vor einem Dutzend Zuhörern berichtet, wie man mit dem Getränk viel Geld verdienen könne. Allerdings sollten die Interessenten zuerst für 160 Euro eine Palette mit 72 Dosen des Energydrinks kaufen. Diese sollten sie unter Freunden und Bekannten weitergeben, um neue Kunden zu werben.

An der Umsatzsteigerung, so das Versprechen, würden die Vertriebspartner (sogenannte Affiliates) dann beteiligt. „Es war die Rede davon, dass man 5000 bis 7000 Euro im Monat verdienen könnte“, berichtet die Studentin, der die Sache schnell merkwürdig vorkam. Kritische Nachfragen ihrerseits seien allerdings abgewürgt worden. Statt dessen habe der Redner den angeblich gesunden und schmackhaften Energydrink und die lukrativen Verdienstmöglichkeiten als Werbepartner angepriesen. „Das war wie eine Gehirnwäsche“, beschreibt sie die Stimmung, „fast sektenartig.“ Einige der Teilnehmer seien auf die Masche dennoch angesprungen. „Die haben nur das Geld gesehen, ohne dahinterzusteigen, dass die Firma sich offenbar ihre Werbung von Studenten bezahlen lässt“, sagt die 22-Jährige.

Auf eine Anfrage der HNA reagierte die Firma Vemma, deren europäischer Sitz in Irland ist, nicht.

Verbraucherschützer warnen vor Geschäftsmodellen, die auf einem sogenannten Schneeball- oder Pyramidensystem basieren. Dies sei anscheinend auch bei Vemma der Fall, sagt Ute Bitter von der Verbraucherzentrale Hessen. Dabei werde eine Vertriebspyramide aufgebaut, die nach unten immer breiter werder. „Je weiter unten in der Pyramide man steht, desto unwahrscheinlicher ist ein nennenswerter Verdienst.“

Besondere Vorsicht sei geboten, wenn man anfangs Geld in die Hand nehmen müsste, um überhaupt die Chance auf einen Verdienst zu haben.

Hintergrund: Nicht in großen Mengen trinken

Der Energydrink Verve sei mit über zwei Euro pro Dose vergleichsweise teuer, aber von den Inhaltsstoffen her "keine Revolution", sagt Andrea Schauff, Ernährungswissenschaftlerin der Verbraucherzentrale Hessen. Durch die hohen Zugaben der Vitamine A, D und E könne es zu einer Überdosierung kommen. Die weiteren Zutaten seien "keine Allheilmittel". Eine gesundheitliche Wirkung der vom Hersteller angepriesenen Mangostan-Frucht sei nicht belegt. Die Wirkung sei vergleichbar mit der von Karotten oder Tomaten. Ein Zusatznutzen durch das Getränk sei nicht zu erwarten. Grundsätzlich sei vom erhöhten Konsum von koffein- und guaranahaltigen Energydrinks abzuraten, insbesondere in Kombination mit Alkohol und bei körperlicher Anstrengung. Es bestehe die Gefahr eines Kreislaufkollapses.

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