Gerichtsprozess

„Gib mir deine Dienstwaffe“ – Polizeibeamte schildern dramatische Szenen von Amokfahrt in Volkmarsen

Georg Ungefuk, der Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft, erläutert, was dem Angeklagten vorgeworfen wird.
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Georg Ungefuk, der Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft, erläutert, was dem Angeklagten vorgeworfen wird.

Der Angeklagte Maurice P. schweigt bislang zu seiner mutmaßlichen Amokfahrt beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen 2020. Nun wurden Polizeibeamten angehört.

  • Maurice P. wird wegen versuchten Mordes in 91 Fällen vor dem Landgericht Kassel der Prozess gemacht.
  • Der Angeklagte hat sein Auto am 24. Februar 2020 in die Zuschauermenge des Rosenmontagszuges in Volkmarsen gefahren.
  • Insgesamt sind zunächst 31 Prozesstage angesetzt - Am Mittwoch (05.05.2021) wurde die Verhandlung fortgesetzt.

Update vom Mittwoch, 05.05.2021, 14.00 Uhr: Am zweiten Tag des Prozesses um die mutmaßliche Amokfahrt beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen wurden die Polizeibeamten, die vor Ort eingesetzt waren, angehört. Zunächst wurden fünf Zivilbeamte befragt, die am 24. Februar 2020 am Karnevalsumzug in Volkmarsen eingesetzt wurden.

Nach Angaben der Beamten war der Einsatz vor Ort keine Routine. Einer der Beamten schilderte, wie dramatisch die Situation vor Ort gewesen sei. Er habe noch einen halben Meter vom Mercedes entfernt gestanden, als dieser in die Menge fuhr. Wie es der Beamte schilderte, fixierten verschiedene Passanten den Mann im Auto, nachdem er zum Stehen gekommen war. Dies erschwerte den Polizisten die Arbeit, da sie weder zum Auto, noch zum Fahrer durchkamen.

Nach Amokfahrt in Volkmarsen: Polizeibeamte äußern sich

Einzelne Passanten kletterten sogar ins Auto, um den Fahrer am Weiterfahren zu hindern. Nach Polizeiangaben schlug ein als Mönch verkleideter Mann den Fahrer des Mercedes, sodass dieser blutete. Ein anderer Passant sagte offenbar zu einem Polizisten: „Gib mir deine Dienstwaffe, ich erledige das“. Gemeinsam mit den Passanten fixierten die Polizisten den Mann und legten ihm Handschellen an.

Die Zivilbeamten wurden von den Richtern und der Staatsanwaltschaft auch dazu befragt, inwiefern sie den Vorfall in Volkmarsen verarbeitet haben. Offenbar meldeten sich einzelne Beamte beim Psychosozialen-Dienst. Ein Polizist sagte dazu: „Man denkt immer an die Sache zurück, wenn man durch Volkmarsen fährt oder auch nur das Stichwort Volkmarsen hört“. Er zeigte sich zudem beeindruckt, wie schnell den Verletzten von Laien, Polizei und Rettungssanitätern geholfen wurde.

Zudem wurden die Polizisten auch zum Angeklagten Maurice P. befragt. Nach Angaben der Beamten war dieser wach, ansprechbar und bewegte den Kopf, als er dazu aufgefordert wurde. Dennoch wirkte er auf die Beamten apathisch, da er nichts sagte und nur „stur vor sich hin“ blickte. Nach seiner Festnahme wurde Maurice P. nach Korbach auf die Polizeistation gebracht. Dort wurde er von einem Arzt untersucht, weil sein Gesicht blutverschmiert war, nachdem Passanten ihn offenbar mit gezielten Schlägen vom Weiterfahren abgehalten hatten. Zudem wurde er mithilfe eines Schnelltests auf Alkohol, Drogen und Medikamente. Diese Tests waren negativ. Daraufhin wurde er im Krankenhaus Korbach auf Haftfähigkeit untersucht.

Amokfahrt in Volkmarsen: Übersicht über die Prozesstage

Update vom Dienstag, 04.05.2021, 17.05 Uhr: Beim Auftakt des Mammutprozesses um die mutmaßliche Amokfahrt beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen bleibt vieles weiter unklar. Dem Angeklagten Maurice P. wird versuchter Mord in 91 Fällen sowie Körperverletzung in 90 Fällen vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft geht von mehr als 150 Betroffenen aus. P. selbst schweigt beim Prozessauftakt am Montag (03.05.2021) zu den Vorwürfen. Mehr als ein Jahr nach der mutmaßlichen Amokfahrt, hat der Angeklagte sich noch immer nicht zu seinem Motiv geäußert. Am Mittwoch (05.05.2021) wird der Prozess in Kassel fortgesetzt. Wir berichten für Sie aktuell.

Der Vorsitzende der 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel hat für den Mammutprozess insgesamt 31 Verhandlungstage angesetzt:

  • Montag, 3. Mai 2021
  • Mittwoch, 5. Mai 2021
  • Donnerstag, 20. Mai 2021
  • Mittwoch, 9. Juni 2021
  • Montag, 28. Juni 2021
  • Mittwoch, 30. Juni 2021
  • Donnerstag, 1. Juli 2021
  • Dienstag, 6. Juli 2021
  • Mittwoch, 7. Juli 2021
  • Freitag, 9. Juli 2021
  • Dienstag, 13. Juli 2021
  • Donnerstag, 29. Juli 2021
  • Montag, 2. August 2021
  • Mittwoch, 4. August 2021
  • Donnerstag, 5. August 2021
  • Donnerstag, 19. August 2021
  • Mittwoch, 8. September 2021
  • Donnerstag, 16. September 2021
  • Donnerstag, 23. September 2021
  • Donnerstag, 30. September 2021
  • Donnerstag, 7. Oktober 2021
  • Donnerstag 14. Oktober 2021
  • Donnerstag, 21. Oktober 2021
  • Donnerstag, 28. Oktober 2021
  • Donnerstag, 4. November 2021
  • Donnerstag, 11. November 2021
  • Donnerstag, 18 November 2021
  • Donnerstag, 25. November 2021
  • Donnerstag, 2. Dezember 2021
  • Donnerstag, 9. Dezember 2021
  • Donnerstag, 16. Dezember 2021

Amokfahrt in Volmarsen: Am ersten Prozesstag bleibt vieles unklar

+++ 16.30 Uhr: Der 30-jährige Maurice P., der mutmaßliche Amokfahrer von Volkmarsen, schwieg am Montag (03.05.2021) zum Auftakt des Prozesses vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts. Dort muss er sich wegen des Verdachts des versuchten Mordes in 91 Fällen, Körperverletzung in 90 Fällen sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft dem Mann vor, dass er am 24. Februar 2020 in der Absicht, eine „Vielzahl von unbekannten Menschen zu töten“, mit seinem Mercedes ungebremst in die Menschenmenge des Karnevalsumzugs in Volkmarsen gefahren ist. Dabei soll er mit Tempo 50 bis 60 unterwegs gewesen sein, so Staatsanwalt Tobias Wipplinger, der eine verkürzte Form der Anklage in einer guten Stunde in der Halle 5 der Messehallen Kassel verlas.

Dort finden zumindest die ersten Verhandlungstage des Mammutprozesses statt, um möglichst vielen Menschen aus Volkmarsen die Gelegenheit zu geben, das Verfahren zu verfolgen. Von den 360 Besucherstühlen waren am Montag allerdings höchstens 50 besetzt, dafür war das Interesse der Medienvertreter sehr groß.

Prozessauftakt zur Amokfahrt in Volkmarsen: „Ein Wunder, dass niemand zu Tode gekommen ist“

Staatsanwalt Wipplinger vermittelte den Anwesenden beim Verlesen der Anklage einen Eindruck davon, wie schrecklich die Tat für die Teilnehmer und Besucher des Umzugs gewesen sein muss. Er trug zum Beispiel vor, dass bei der 42 Meter langen Amokfahrt* durch den Umzug auch kleine Kinder beim Einsammeln von Süßigkeiten überfahren wurden. Von den vielen Verletzten mussten 28 Menschen in Krankenhäusern behandelt werden. Zwei Frauen schwebten in Lebensgefahr.

Ein 59-jähriger Polizeibeamter, der den Umzug in seiner Freizeit gefilmt hatte, sprach im Zeugenstand von „rumfliegenden Menschen und Körpern“. Er selbst habe sich vor dem Mercedes nur mit einem Sprung auf eine Verkehrsinsel in Sicherheit bringen können. „Es ist ein Wunder, dass bei dieser Geschichte niemand zu Tode gekommen ist“, sagte Klemens Wirt, der Anwalt einer der drei Nebenkläger.

Amokfahrt beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen: Der Angeklagte Maurice P. schweigt am ersten Prozesstag weiter zu seinem Motiv.

Mammutprozess zur Amokfahrt in Volkmarsen: Erster Prozesstag schnell beendet

Update vom Montag, 03.05.2021, 12.30 Uhr: Der erste Prozesstag vor dem Kasseler Landgericht geht nach wenigen Stunden am Montagmittag bereits zu Ende. Der Angeklagte Maurice P. hat am Morgen lediglich Angaben zu seiner Person gemacht. Er wird in diesem Monat 31 Jahre alt, ist gebürtig aus Baden-Württemberg, ledig.

Staatsanwalt Tobias Wipplinger hat im Anschluss die Anklageschrift vorgelesen. Im Laufe des ersten Prozesstages gegen P. war ein kleiner Ausschnitt aus einem Video gezeigt worden, auf dem zu sehen war, wie das Auto während des Karnevalsumzuges in Volkmarsen in die Zuschauer gefahren war. Das Motiv des Angeklagten bleibt weiter unklar, da Maurice P. weiterhin von seinem Schweigerecht Gebrauch macht. Auch mit den Ermittlern hatte der Angeklagte seit seiner Festnahme nicht gesprochen. Am Mittwoch (05.05.2021) wird die Verhandlung fortgesetzt.

Volkmarsen: Nach Amokfahrt beim Rosenmontagsumzug - Prozess gegen Maurice P. beginnt in Kassel

Erstmeldung vom Montag, 03.05.2021: Kassel - Der lang erwartete Strafprozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer von Volkmarsen beginnt in den Kasseler Messehallen. 360 Zuschauer sind zugelassen. Ab dem heutigen Montag muss sich Maurice P. aus Volkmarsen wegen zigfachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft dem 30-Jährigen versuchten Mord in 91 Fällen und gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen vor. Alle Informationen zum ersten Prozesstag im Volkmarsen-Prozess finden Sie in unserem Live-Ticker.

Der 29-jährige Angeklagte soll mit seinem Auto am 24. Februar 2020 in die Zuschauermenge des Rosenmontagsfestzugs in Volkmarsen im Kreis Waldeck-Frankenberg gefahren sein. 91 Menschen wurden bei der Amokfahrt verletzt. Das Verfahren wird von der sechsten Strafkammer des Landgerichts Kassel in der eigens dafür angemieteten Messehalle 5 auf dem Messegelände an der Damaschkestraße verhandelt.

Prozess um Amokfahrt von Volkmarsen: Zuschauerinteresse bislang gering

Grund für die Anmietung der Halle ist die hohe Zahl der Opfer und das erhöhte Medieninteresse. In der Messe ist Platz für bis zu 360 Zuschauer und 48 Pressevertreter. Nach Angaben der HNA-Kollegen vor Ort ist das Zuschauerinteresse bisher sehr gering. Nur etwa 30 Plätze sind besetzt.

Neben der Sechsten Strafkammer sind zwei Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, fünf Nebenkläger, eine Sachverständige sowie der Angeklagte mit seinen Verteidigern Bernd Pfläging und Susanne Leyhe aus Kassel vor Ort.

In den Messehallen Kassel beginnt der Prozess um den Amokfahrer von Volkmarsen. Bisher hat der Angeklagte Maurice P. zur Tat geschwiegen.

Prozess um Amokfahrt von Volkmarsen: Angeklagter schwieg bislang

Nun wird mit Spannung erwartet, ob sich Maurice P. in dem Prozess erstmals zur Tat und zu seinen Motiven äußern wird. Bisher hat er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Sein Anwalt Bernd Pfläging erklärte, dass sein Mandant auch in der Verhandlung zunächst schweigen werde: „Wir lassen das jetzt erst einmal auf uns zukommen.“

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Die Anklageschrift der Generalanwaltschaft Frankfurt umfasst 172 Seiten. Darin heißt es, dass der Angeklagte selber eine Kamera am Armaturenbrett seines Autos montiert angebracht hatte. Mit dieser sogenannten Dashcam wollte der junge Mann offenbar das Tatgeschehen filmen. (Luisa Ebbrecht)

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