Prozess wie in einer Fernseh-Show: Mann wirft Lebensgefährtin Untreue vor

Kassel. Sogar im Fernsehen haben der Angeklagte und seine Ex-Freundin ihren Beziehungsstreit schon ausgetragen – vor einigen Jahren in der Krawall-Talkshow „Britt“ bei Sat. 1. Damals war es um seine Untreue gegangen. Nun stritten sie sich vor dem Kasseler Landgericht.

Der 39-Jährige hatte vermutet, dass nun seine Lebensgefährtin untreu wäre – und soll bei ihr so rüde nach Spuren fremden Spermas gesucht haben, dass er sich jetzt wegen des Verdachts der Vergewaltigung vor dem Kasseler Landgericht verantworten muss.

Von einer „beischlafähnlichen Handlung“ ist in der Anklage die Rede, die Staatsanwalt Jan Uekermann beim Prozessauftakt am Donnerstag verliest. Gegen ihren Widerstand habe der Mann seiner Noch-Freundin im Mai 2012 die Leggings ausgezogen und ihr in die Scheide gegriffen. Um zu überprüfen, ob sie kurz zuvor Sex gehabt hatte. Was der Angeklagte jedoch heftigst bestreitet. Jedenfalls das mit der Gewalt.

„Definitiv ist Fakt: Was passiert ist, ist mit beiderseitigem Einverständnis passiert“, verkündet er. Sie habe ihm die Kontrolle selbst angeboten, nachdem er in ihrem Ausschnitt ein Schamhaar entdeckt habe. Und wenn sie nun etwas anderes behaupte, dann lüge sie. „Das ist 100 Prozent eine Racheaktion von ihr.“ Denn anderthalb Monate nach jenem Ereignis trennte sich das Paar nach einer vierjährigen Beziehung, die konflikthaft zu nennen, wohl noch untertrieben wäre. Und seitdem ist ihr Umgangston nicht freundlicher geworden.

Vor Gericht dauert es nur wenige Sätze, da ahnt man, wie dankbar die Macher von „Britt“ für diese Gäste gewesen sein müssen. Eifersucht, Temperament, endlose Redeschwälle, Pathos und die Überzeugung, dass sämtliche Schuld grundsätzlich beim anderen liegt: Das haben beide gemeinsam. Und es braucht kein Drehbuch, keine „Scripted Reality“, damit sie all dem freien Lauf lassen. Auch im Gerichtssaal.

Alles nur Lüge?

„Wie viel kann ein Mensch lügen?“, schimpft die 38-Jährige. „Der lügt ja schon, wenn er ,guten Morgen‘ sagt.“ Dass sie der Untersuchung ihres Genitalbereichs zugestimmt haben soll, weist die Frau brüsk von sich. „Das war so peinlich, so widerlich.“ Wer so etwas tue, müsse „krank im Kopf“ sein. Und eben das sei der Vater ihres kleinen Sohns. „Er hat mich betrogen, hat gesoffen, hat Drogen genommen. Und ich habe mich einlullen und manipulieren lassen.“

Zweimal wurde der 39-Jährige bereits verurteilt, weil er seine Lebensgefährtin mit Messern bedroht hat. Unzählige weitere Ausraster und Gewalttätigkeiten ihres Partners deutet die Frau an. Dass sie auch selbst zugeschlagen hat, kommt dagegen nur beiläufig heraus. „Er hat mich in den Wahnsinn getrieben!“, ruft sie. Was der Angeklagte freilich andersherum genauso von ihr behauptet: „Ich bin das Opfer hier!“

Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt.

Von Joachim Tornau

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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