Amtsgericht verhandelte über tätliche Auseinandersetzung vor der Diskothek A7

Prozess gegen Ex-Türsteher

Kassel. Als der Körperverletzungs-Prozess eingestellt ist, gehen die drei Angeklagten zum Nebenkläger. Nacheinander geben sie ihm die Hand zur Entschuldigung - vielleicht auch um den Schlussstrich zu besiegeln. Der 31-Jährige hat zugesichert, dass er keine zivilrechtlichen Schadenersatzansprüche erheben wird, wenn ihm 1000 Euro gezahlt werden.

Knapp vier Stunden lang hatte das Kasseler Amtsgericht zuvor über die Vorfälle verhandelt, in die die Männer verwickelt waren. Sie liegen schon mehr als zwei Jahre zurück. Fest stand: Am frühen Morgen des 9. Januar 2011 hatte der Nebenkläger nach einer verspäteten Weihnachtsfeier die Diskothek A7 in Kassel aufsuchen wollen - wurde aber nicht eingelassen. Die drei Angeklagten, ein 24-Jähriger aus Kaufungen, ein 28-jähriger und ein 33-jähriger Kasseler arbeiteten dort damals als Türsteher.

Die Anklage warf dem Kaufunger vor, den abgewiesenen Besucher geschlagen und auch mit einer Flasche nach ihm geworfen zu haben. Später, ein Stück von der Diskothek entfernt, hätten alle drei Türsteher gemeinsam den Nebenkläger geschlagen und getreten. Auch Pfefferspray sei eingesetzt worden. Eine Woche lang war der Mann krankgeschrieben.

Während der Nebenkläger betonte, der 33-Jährige habe ihn abgewiesen, gaben die Angeklagten an, der 28-Jährige habe in jener Nacht die Gäste sortiert. Der Nebenkläger sei betrunken gewesen, deshalb habe er ihn nicht eingelassen, erklärte der Kasseler. Der Mann sei „in Rage“ geraten. Er habe ihn fixieren wollen. Es könne sein, dass dabei dessen Jacke zerrissen sei.

Kurz sei der Nebenkläger mit einer Flasche angerannt gekommen, berichtete der Kaufunger. Daraufhin habe er sich selbst eine Sektflasche gegriffen - diese dann aber auch wieder fallen lassen. Es sei zu einem verbalen und tätlichen Schlagabtausch gekommen. Das Pfefferspray habe schließlich der 33-jährige Kasseler eingesetzt, um den Nebenkläger „zu beruhigen“.

Der Nebenkläger wies von sich, aggressiv gewesen zu sein. Doch auch seine Geschichte warf aus Sicht der Staatsanwaltschaft Fragen auf. Fragen, die auch zwei weitere Zeugen nach so langer Zeit nicht klären konnten.

So bot die Anklagebehörde an, die Sache einzustellen. Bei dem Kaufunger und dem älteren Kasseler geschah das mit Blick auf bereits verhängte Strafen in ähnlichen Verfahren, die in ein neues Urteil hätten einbezogen werden müssen. Für den 28-Jährigen soll der Fall zu Ende sein, wenn der Nebenkläger seine 1000 Euro erhalten hat. Die Angeklagte sollen diese Summe gemeinsam aufbringen. Erste 100 Euro wurden schon im Gerichtssaal übergeben - gleich nach dem letzten Händedruck.

Von Katja Schmidt

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