Prozess in Kassel

Betrug mit falschen Krügerrand-Münzen – Junge Mädchen übel erpresst

Ein Finger hält eine Krügerrand-Goldmünze. Man sieht die Rückseite.
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So sieht die Rückseite einer echten Krügerrand-Goldmünze aus.

Bei einem Prozess in Kassel wurde ein junger Mann verurteilt. In das Urteil fließen sowohl der verhandelte Betrug als auch die zuvor begangene Erpressung junger Mädchen mit ein.

  • Ein junger Mann aus Göttingen wurde in Kassel verurteilt
  • Im Prozess ging es um Betrug und Urkundenfälschung
  • In einer früheren Verurteilung des 23-Jährigen ging es um die Erpressung junger Mädchen

Kassel – Mit angeblich aus purem Gold bestehenden Krügerrand-Münzen ist ein heute 23-jähriger Mann aus Göttingen im September 2016 in ein Pfandleihhaus in Kassel marschiert und hat sich 2200 Euro für die wertlosen Fälschungen auszahlen lassen. Als er den Coup einen Monat später in einem zweiten Pfandhaus mit sieben weiteren Münzen wiederholen wollte, wurde er an Ort und Stelle festgenommen. Wegen Betruges und Urkundenfälschung wurde dem jungen Mann am Donnerstag (02.07.2020) der Prozess gemacht. Er wurde vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

In diese Strafe floss ein Urteil des Amtsgerichts Eisenach aus 2015 ein. Damals war der gebürtige Thüringer wegen Ausspähens von Daten, sexuellen Missbrauchs und des Besitzes von Kinderpornografie zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Diese Strafe verbüßt er gegenwärtig in der Jugendstrafanstalt Arnstadt.

Prozess in Kassel: Nicht nur Betrug, sondern auch Erpressung junger Mädchen

Mit einer ziemlich perfiden Masche hatte der damals 15-Jährige 2013 und 2014 junge Mädchen erpresst. Amtsrichter Pree zitiert im Prozess in Kassel aus dem damaligen Urteil: Danach hatte der Angeklagte eine täuschend echt aussehende, aber falsche Facebook-Seite erstellt, auf der sich ausschließlich junge Mädchen einloggten. Der Angeklagte spähte die Accounts aus und hatte Zugriff auf die dort befindlichen Bilder der 13- bis 14-Jährigen.

Die Bilder der nackten oder leicht bekleideten Mädchen lud er herunter und forderte die Mädchen auf, weitere Nacktfotos von sich zu schicken. Anderenfalls würde er die bereits gehackten Bilder an den gesamten Freundeskreis, die Schule und die Eltern der Mädchen verschicken. Später forderte er auch Geld und drohte damit „ihr Leben Tag für Tag zu zerstören“ und dafür zu sorgen, dass sie „auf der Straße bespuckt und getreten“ würden. Etliche der Mädchen schickten ihm daraufhin aus Angst vor der öffentlichen Bloßstellung die geforderten Bilder.

Dafür wurde er im damaligen Prozess vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die später zu einer Geldstrafe umgewandelt wurde, die er aber nicht bezahlte. Stattdessen war der pummelige Mann mit Zottelbart und Pferdeschwanz untergetaucht. Erst im letzten März stellte er sich der Polizei und sitzt seitdem in Jugendhaft.

Prozess in Kassel: Geplanter Betrug zeigt angeblich „erhebliche kriminelle Energie“

Die zehn falschen Krügerrand-Münzen hatte der voll geständige Mann von einem dänischen Internet-Bekannten als Gegenleistung für abgetretenes Spielgeld aus einem Online-Spiel erhalten. Erst auf hartnäckiges Befragen durch Richter Pree und Ermahnung durch seine Verteidigerin Anne Köster während des Prozesses räumte er ein, dass er wusste, dass es sich um Fälschungen handelte. Um sich im Pfandleihhaus auszuweisen, habe er im Internet einen Ausweis heruntergeladen und bearbeitet, gestand er. Der Betrug war also geplant.

Für Oberstaatsanwältin Andrea Boesken zeigte dies eine erhebliche kriminelle Energie. Sie forderte daher eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Richter Pree und seine Schöffen packten trotzdem nur zwei Monate auf die alte Strafe drauf. Sie trugen damit dem Umstand Rechnung, dass der unter Angststörungen leidende junge Mann im Jugendknast derzeit eine Ausbildung macht, augenscheinlich „die Kurve gekriegt“ hat. Der Richter mit Blick auf die Computerkenntnisse des Angeklagten: „Sie haben ja Grips, warum haben Sie den in negative Richtung gewendet?“ Darauf wusste der junge Mann keine Antwort, versprach aber Besserung.

Gold ist Geld und ein Grund für Betrug? Was es mit Krügerrand-Münzen auf sich hat

Nicht der einzige Prozess in Kassel: Mord auf offener Straße

Bei einem anderen Prozess in Kassel ging es um den Mord an Shpetim Aloci* auf offener Straße. Eine Zeugin bestreitet eine Affäre mit dem Opfer: In Niederzwehren (einem Stadtteil von Kassel) hatten nach dem Mord viele Gerüchte kursiert, unter anderem, dass Shpetim Aloci eine Affäre mit der Verlobten seines Freundes gehabt habe. Diese Gerüchte wies die 21-Jährige vehement zurück. *hna-de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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