Angeklagter gibt sich schuldlos

Prozess: Kasseler soll Auto eines Nebenbuhlers abgefackelt haben

Kassel. „Ich habe mit dem Brandanschlag nichts zu tun“, versicherte der Angeklagte. Und wie jemand auf die Idee kommen könne, er verfolge seine Exfreundin, sei ihm ohnehin schleierhaft.

Stalking lehne er ab. Er habe seine Ex nie verfolgt.

Vor der 7. Strafkammer des Landgerichts zeichnete der drahtige 56-Jährige selbstbewusst und mit weitschweifiger Wortgewandtheit gestern von sich das Bild des perfekten Unschuldslammes, das den Vorwürfen fassungslos gegenübersteht.

Dabei hatte ihn das Amtsgericht im März vergangenen Jahres wegen Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Dagegen hatten der Kasseler und die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

Der Vorwurf der Anklage: In der Nacht zum 23. April 2012 soll der Beschuldigte in der Garage des neuen Lebensgefährten seiner früheren Freundin eine Art Zeitzünder installiert haben. Dort wurden 32 mit Benzin gefüllte Gefrierbeutel auf, unter und neben dem alten Honda des Nebenbuhlers platziert, daneben 23 Grillanzünder und darauf wiederum zwei brennende Kerzen.

Tatsächlich entzündeten sich einige der Benzinbeutel, das Auto wurde durch die Flammen, die mangels Sauerstoff von selbst erloschen, schwer beschädigt. Es entstand ein Schaden von rund 3650 Euro.

Der 56-Jährige will von dem Brandanschlag erst erfahren haben, als wenig später vier Kripobeamte mit einem Durchsuchungsbeschluss vor seiner Wohnungstür standen.

In der Wohnung, so der leitende Kripobeamte gestern als Zeuge, habe man tatsächlich nichts gefunden, was den Angeklagten mit dem Brand in Verbindung bringe. In seinem Keller sei allerdings ein Magazin mit Munition für ein Bundeswehr-Gewehr gefunden worden, was zu einer Strafanzeige geführt habe.

Das Magazin sei 35 Jahre alt, er sei froh, dass es endlich weg sei, sagte der Angeklagte. Dass auf den Gummibändern, mit denen die Benzinbeutel verschlossen wurden, seine DNA gefunden wurde, bestätigte er, aber: „Keiner weiß, wie sie da hingekommen ist. Kassel ist überschwemmt mit Dingen, die meine DNA tragen“, sagte er.

Auf Vorhalte von Richter Reichhardt und der Staatsanwaltschaft machte der Angeklagte deutlich, dass vielmehr er sich von seiner Ex und deren neuem Partner verfolgt und bedroht fühle. Er habe wohl ab und zu etwas in deren Briefkasten gesteckt, SMS und Liebesbriefe geschrieben und gehe auch immer wieder an dem Haus vorbei, denn: „Die Sache ist fünf Jahre vorbei und diese Frau prägt noch immer mein Leben.“

Heute ab 10.30 Uhr will das Gericht sich die Version „dieser Frau“ anhören. Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr in Saal 218. An diesem Tag wird auch mit einem Urteil gerechnet.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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