Verfahren am Landgericht Kassel

Anklage: Kupfer vom VW-Gelände weiterverkauft - Verdächtige streiten es ab

Kassel. Tonnenweise sollen die Angeklagten Buntmetall vom Volkswagen-Gelände in Baunatal weggeschafft haben: Kupfer und Kabelschrott mit Kupferkern, die sie für rund 164.000 Euro verkauft haben sollen. Seit Montag müssen sich die beiden deshalb vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten.

Es handelt sich um einen 53-jährigen früheren VW-Mitarbeiter und einen 39-jährigen früheren Fahrer einer Müll-Entsorgungsfirma. Die angeklagten Taten liegen allerdings schon über drei Jahre zurück.

Aktualisiert um 19 Uhr

Mit angeklagt ist der 43-jährige Schwager des 39-Jährigen. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, den beiden Ausweise zum Kopieren verschafft zu haben, damit sie das Kupfer unter falschem Namen veräußern konnten. Zudem habe er seinen eigenen Arbeitgeber um Metallabfälle erleichtert und diese für rund 12.500 Euro verkauft.

Aber keiner der Männer gab das am Montag zu. Der 53-Jährige schweigt. Der 43-Jährige beteuert, "auf keinen Fall", habe er bei seinem früheren Arbeitgeber Metall geklaut. Und der 39-Jährige lässt seinen Verteidiger, Christian Breitenwischer, sprechen, der dann der Staatsanwaltschaft Vorwürfe macht.

Wichtige Dinge seien nicht ermittelt worden, sagt der Anwalt. Etwa nicht, dass die Container mit Restmüll, die sein Mandant transportierte, stets zweimal gewogen worden seien: Einmal bei VW und einmal bei Ankunft an der Müllverbrennungsanlage. "Es gibt keine Differenz", betont Breitenwischer. Der 43-Jährige habe nichts entwendet.

Sein Mandant berichtet dann allerdings noch, er habe etwa sieben Mal für "Albaner" oder "Bulgaren" Schrott verkauft bei dem Metallhändler, der in der Anklage genannt ist. Die Männer hätten ihn darum gebeten, weil sie nur begrenzte Mengen unter eigenem Namen hätten veräußern können. Er habe das Material mit dem eigenen Wagen und Anhänger gefahren.

Einige Male hätten ihm die Männer Ausweis-Kopien für den Händler mitgegeben dann habe er im Namen der dort genannten Personen verkauft. Pro Lieferung habe er 100 bis 200 Euro bekommen. Seine Auftraggeber hätten versichert, der Schrott sei "ganz legal".

Auch ein Zeuge des VW-Werkschutzes wird gehört. Er berichtet, wie eines Tages, als auf dem Gelände schon nach Kupfer-Dieben gefahndet wurde, große Säcke voll Kabel-Ummantelungen in einem Hausmüll-Container aufgefallen seien. In einem Sack habe auch ein Schreibtisch gelegen und darin zwei an den 53-Jährigen gerichtete Rechnungen sowie durchgeweichte Ausweis-Kopien. Gescannte Versionen jener Ausweise habe die Polizei später auf einem USB-Stick bei dem 53-Jährigen gefunden, der selbst für die Entsorgungsabteilung arbeitete.

Für den Prozess sind bis Mitte Mai drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © dpa

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