Frauen kritisieren „Verlogenheit“

Ermittler: Mehtap Savasci widersetzte sich Bruder

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Auf der Anklagebank: Die Staatsanwaltschaft Kassel wirft dem 51-jährigen Mann aus Maintal vor, seine Schwester Mehtap Savasci am 7. Oktober 2014 entführt und getötet zu haben.

Kassel. Mehtap Savasci soll ihrem älteren Bruder bei einem heftigen Streit am Samstag, 4. Oktober 2014, die Stirn geboten haben. Der habe ihren Geliebten aus ihrer Wohnung in Wehlheiden werfen wollen.

Das habe sich die Frau aber nicht gefallen lassen wollen, sagte der Polizeihauptkommissar, der die Ermittlungen im Kommissariat 11 im Fall Savasci geleitet hat. Diesen Widerstand sehe er „als Hauptmotiv für die spätere Tat“, sagte der Ermittler am Montag vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts. Dort muss sich der 51-jährige Mann aus Maintal wegen des Verdachts des Mordes an seiner Schwester verantworten.

Es war ein überaus spannender Verhandlungstag, den um die 50 Zuschauer verfolgten. Darunter auch mehrere Angehörige des Angeklagten. Sein jüngerer Bruder und seine Tochter, die am Montag als Zeugen geladen waren, blieben der Verhandlung allerdings krankheitsbedingt fern. Der Bruder, der selbst Arzt ist, ließ ein Attest vorlegen, dass er am Morgen beim Zahnarzt gewesen sei und aufgrund einer Lokalanästhesie kein Auto fahren könne. Er und die Tochter des Angeklagten müssen nun am Donnerstag vor Gericht erscheinen.

Die 49-jährige Frau und der 30-jährige Schwiegersohn des Angeklagten, die beide eine Dolmetscherin (Deutsch-Türkisch) zur Seite hatten, machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Solch ein Recht konnte die 45-jährige Geliebte des Arzt-Bruders nicht in Anspruch nehmen. Sie gab dem Mann allerdings ein Alibi für den 7. Oktober 2014 - jenem Tag, an dem Mehtap Savasci verschwand. Die Nacht zuvor habe er bei ihr verbracht, am nächsten Morgen sei er in seine Praxis im Schwalm-Eder-Kreis gefahren, sagte die Frau.

Dass dieser Bruder kurzzeitig auch als Beschuldigter geführt wurde, ebenso wie der Schwiegersohn des Angeklagten und der Geliebte von Mehtap Savasci, bestätigte der Ermittler. Der Tatverdacht habe sich gegen diese Männer allerdings nicht erhärtet.

Im Zuschauerraum saßen auch am Montag wieder mehrere Frauen, die dem türkischen Frauenverein angehören. Sie unterstützen die 18-jährige Tochter von Mehtap Savasci, Nebenklägerin in dem Verfahren. Die Tochter des Opfers habe keinen Rückhalt in ihrer eigenen Familie. Die Frauen kritisierten in einer Verhandlungspause „die Verlogenheit“ vieler türkischer Frauen und Männer. Wenn ein Mann eine Affäre habe, dann werde das akzeptiert. Bei einer Frau wie Mehtap aber nicht.

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