Hintergrund der Tat ist unklar

Prozess um Schüsse am Stern in Kassel: Über drei Jahre Haft für Schützen

Kassel. Drei Jahre und drei Monate muss der 26-jährige Libyer in Haft, der im November 2015 mittags auf der belebten Unteren Königsstraße einen gleichaltrigen Mann aus Algerien mit einem Oberschenkeldurchschuss schwer verletzt hat.

Was der Grund für den Streit zwischen den beiden Männern war, blieb auch nach zehn Verhandlungstagen unklar. Aber das Gericht erkannte eine Mitschuld des Opfers, weshalb der Algerier seinen Teil der Verfahrenskosten selbst tragen muss.

"Das Ganze ist durch eine Provokation seinerseits ausgelöst worden", stellte Richterin Sabrina Müller-Krohe fest. Denn Schütze und Angeschossener seien sich "nicht grün" gewesen. Beide kannten sich seit Jahren durch Drogengeschäfte und waren bereits im August 2014 im Hinterhof einer Kneipe am Martinsplatz aneinandergeraten. Dabei war der Libyer vom späteren Opfer "in brutalster Art und Weise zusammengeschlagen" worden, heißt es in der Urteilsbegründung. Das Gericht glaubte dem Angeklagten deshalb seine Angst vor dem Algerier und ging von einer "Notwehrlage" aus.

Dennoch sei das Zücken der Waffe beim Aufeinandertreffen der Männer "unverhältnismäßig" gewesen. Denn: "So eine Kugel kann ja auch mal abirren", das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sei durch den Waffengebrauch am helllichten Tag "massiv beeinträchtigt" worden.

In einem nach Meinung von Staatsanwältin Fischer "unvollständigen Geständnis" hatte der Angeklagte Ende September in dem seit Ende Juli andauernden Prozess die Tat eingeräumt, die von seiner "erheblichen kriminellen Energie" zeuge. Die Staatsanwaltschaft hatte dreieinhalb Jahre Haft für die gefährliche Körperverletzung gefordert, den Vorwurf des gewerbsmäßigen Handelns mit Betäubungsmitteln aber fallen gelassen. Verteidiger Bernhard Leis hatte auf Notwehr plädiert und einen Freispruch gefordert.

Lesen Sie dazu auch: 

Schüsse am Stern: Opfer war nicht zimperlich

Schüsse am Stern: Zeugin belastete mutmaßlichen Schützen schwer

Rubriklistenbild: © Fischer

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.