Prozess um Zwangsprostitution

Für 2000 Euro verkauft

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Symbolbild

Kassel. Für 2000 Euro sei sie von zwei Männern an einen Kasseler Zuhälter „verkauft“ worden, berichtete eine 35-jährige bulgarische Frau am Montag als Zeugin vor dem Landgericht.

Sie ist eine der Betroffenen in dem vor einer Woche begonnenen Prozess gegen einen 31-jährigen Bordellbetreiber und seine 27-jährige Helferin. Menschenhandel, Zuhälterei und Körperverletzung lauten einige Anklagepunkte. Der 31-Jährige schweigt bisher, seiner Komplizin hatte am ersten Prozesstag eingeräumt, dass sie die Einnahmen der Prostituierten kassiert hatte. Die 35-jährige Zeugin berichtete am Montag, sie sei mittellos gewesen und habe keine andere Möglichkeit gesehen als in der Prostitution ihr Geld zu verdienen.

Von zwei Männern sei sie über Wien nach Kassel gebracht worden. Die beiden hätten versprochen, „mich an einen sicheren Ort zu bringen, wo es mir gut gehen würde“. Ohne Geld und lediglich mit einer Handtasche als Gepäck sei sie in Kassel angekommen. Ihren Ausweis habe sie sofort abgeben müssen, weil mit den Daten angeblich Unterlagen ausgefüllt werden müssten. Der Bordellbetreiber und seine Gehilfin hätten ihr versichert, sie könne auf eigene Kasse arbeiten und müsse nichts vom Dirnenlohn abliefern.

Bald habe sich gezeigt, dass dies eine Lüge war - sie habe alles abliefern müssen. „Zur Sicherheit“, wurde ihr vorgegaukelt, da einige Kunden oft ihr Geld zurückverlangen würden. Ihr Verdienst habe sich in Grenzen gehalten, mehr als 20 bis 50 Euro pro Kunde seien nicht herausgesprungen. Doch ihr Ziel sei ohnehin nur gewesen, mit etwa 500 Euro nach Hause zurückzukehren. Lediglich drei Tage hielt es die 35-Jährige in dem Bordell aus.

Dann vertraute sie sich der Polizei an. Bis dahin sei sie von den beiden Angeklagten nicht nur permanent bedrängt worden, mehr Geld zu verdienen, sie habe auch in ständiger Angst gelebt. Vor die Tür habe sie sich kein einziges Mal getraut. Eine „Kollegin“ habe sie gewarnt, das besser zu lassen, weil es nicht gern gesehen sei und Folgen haben könne. Eine Variante davon erlebte die Zeugin dann mit, als eine Frau, die ebenfalls in dem Haus arbeitete, von dem 31-Jährigen geschlagen und am Boden liegend getreten wurde.

Sie war, wie es am ersten Prozesstag vor der 5. Strafkammer geheißen hatte, zwei Mal aus dem Bordell geflüchtet und von dem 31-Jährigen wieder zurückgeholt worden. Nachdem der Bordellbetreiber die Frau misshandelt hatte, sei sie kurz darauf von einem weiteren Mann in einem Nebenzimmer geschlagen worden. Wenig später tauchte die Polizei zu einer Kontrolle auf.

Die 27-Jährige auf der Anklagebank hatte am ersten Verhandlungstag ebenfalls von der Misshandlung berichtet und zugegeben, dass sie der betroffenen Frau Schminke gegeben habe, um während der Polizeikontrolle Verletzungen im Gesicht zu vertuschen. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt. (pas)

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