Depressionen und Angststörungen

Psychisch Kranke in der Region müssen lange auf Therapie warten

Kassel. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen nehmen auch in Stadt und Landkreis zu. Betroffene warten sehr lang auf Behandlungsplätze.

Bundesweit ist die Zahl der Erwerbstätigen mit psychischen Erkrankungen seit 2006 laut einer Studie der Techniker Krankenkasse um 86 Prozent gestiegen. Das hat auch in Stadt und Landkreis Kassel dramatische Folgen: Betroffene müssen mitunter lange auf fachärztliche und therapeutische Hilfe warten.

Bis zu drei Monate könne es dauern, einen Termin bei einem Psychiater zu bekommen, bei Psychotherapeuten kann die Wartezeit sogar ein halbes Jahr oder mehr betragen. Wegen der langen Wartezeiten hätten „dramatisch viele Patienten resigniert“, sagt der niedergelassene Psychiater Dr. Peter Kramuschke.

Grund für die Misere

Besonders prekär sei auch die Versorgung von Altenheimen. „Es gibt viele Heime, die komplett unversorgt sind“, erklärt Kramuschke. Es fehle an Kapazitäten bei niedergelassenen Psychiatern und den Institutsambulanzen der psychiatrischen Kliniken. Ein Grund für die Misere sei, dass bei der Berechnung des Versorgungsgrades Neurologen und Psychiater in einen Topf geworfen werden, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller. Deshalb gehe die Kassenärztliche Vereinigung fälschlicherweise sogar von einer Überversorgung für die Arztgruppe der Nervenärzte in Stadt und Landkreis aus. Zudem arbeiteten die meisten Psychiater auch psychotherapeutisch. Diesen Mix müssten sie auch anbieten.

Denn: Der Psychiater bekommt pro Quartal und Patient 42 Euro - damit kann eine Praxis kaum überleben. Für 50 Minuten Psychotherapie erhält der Facharzt dagegen rund 83 Euro. Die Psychotherapie ist im Vergleich jedoch zeitaufwändig. In der Zeit, in der ein Patient psychotherapeutisch behandelt wird, könnten pro Quartal 20 Patienten psychiatrisch behandelt werden.

Von Martina Heise-Thonicke

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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