Wissenschaftler der Uni Kassel untersuchen, welche therapeutischen Fähigkeiten vermittelt werden

Psychologie-Ausbildung unter der Lupe

Kassel. Psychotherapeuten haben ihren Patienten gegenüber eine hohe Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, dass Therapeuten in ihrer Ausbildung verschiedene Kompetenzen erwerben.

Doch welche therapeutischen Fähigkeiten vermittelt die Ausbildung wirklich? Psychologen der Universität Kassel begleiten jetzt bundesweit angehende Psychotherapeuten und untersuchen ihre Kompetenzen hinsichtlich des therapeutischen Behandlungserfolgs.

„Die gesamte Ausbildung ist eine Blackbox“, sagt Juniorprofessorin Svenja Taubner vom Institut für Psychologie der Uni Kassel. Einerseits sollten Psychotherapeuten anschließend so kompetent sein, um ihren Patienten helfen zu können. Andererseits sei bislang nicht hinreichend erforscht, welche Kompetenzen ihnen tatsächlich während der Ausbildung vermittelt würden, sagt sie.

Die 37-Jährige koordiniert das von Prof. Dr. Heidi Möller geleitete Forschungsprojekt. Wer Psychotherapeut für Erwachsene werden möchte, benötigt nach dem Studium eine staatlich anerkannte Ausbildung. Diese dauert etwa fünf Jahre und wird wegen der Kosten (20 000 bis 70 000 Euro) oft berufsbegleitend absolviert.

In einer Studie untersuchen die Wissenschaftler deutschlandweit 180 Ausbildungsteilnehmer der hierzulande drei kassenzugelassenen Verfahren (Verhaltenstherapie, analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie). Sie erheben in Klausuren, Gesprächen und Fragebögen Theoriewissen, Konzeptkompetenz, therapeutische Haltung sowie Bindungsfähigkeiten der Projektteilnehmer.

„Besonders die Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Patient ist entscheidend für den Therapieerfolg“, sagt Taubner. Da werdende Psychotherapeuten während ihrer Ausbildung auch erste Patienten behandeln, sollen außerdem 900 Patienten befragt werden.

„Wir möchten einen qualifizierten und fundierten Beitrag zur Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung der Ausbildung leisten, der nicht ideologisch gefärbt ist“, laute die Zielsetzung des vorerst für drei Jahre von der Deutschen Forschungsgesellschaft geförderten Vorhabens.

Die Wissenschaftler streben aber eine Anschlussförderung an. Schließlich möchten die Kasseler Psychologen ihre Projektteilnehmer bis zum Schluss ihrer Ausbildung begleiten. (psn) Foto: privat/nh

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