Hilfe bei Flucht-Traumata

Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete in Nordhessen eingeweiht

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Der 32-Jährige aus Syrien, Walat Baker, verarbeitet seine Flucht in seinen Bildern.

Kassel. Im Januar hatte das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete in Nordhessen mit Bezug seiner Räume im neuen Haus für Sozialwirtschaft die Arbeit aufgenommen. Jetzt waren zur offiziellen Einweihung viele Gäste gekommen, darunter Stefan Sydow, der Leiter des Stabs Asyl im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration.

Er verarbeitet sein Fluchttrauma mittels Kunst: Walat Baker (32) war 2015 aus Syrien geflohen und hat als Nichtschwimmer in mehreren Versuchen, mit dem Schlauchboot übers Meer nach Europa zu kommen, lebensbedrohlich Situationen erlebt. „Orange gegenüber Blau“ heißt eine Serie seiner eindrücklichen Bilder, in denen er das leuchtende Orange der Schwimmwesten mit dem tiefen Blau des Meers kontrastiert.

Bakers Arbeiten sind neben anderen zurzeit im Haus für Sozialwirtschaft an der Treppenstraße zu sehen, wo sie den Rahmen für eine besondere Einweihungsfeier boten. Menschen, die vor Krieg, Gewalt, Not und Unterdrückung in ihrer Heimat geflohen sind, professionelle psychosoziale Hilfe anzubieten – das ist das Ziel. Am Ende soll seelische Stabilität für die leidgeprüften, häufig schwer traumatisierten Menschen in Aussicht stehen.

Für dieses Bemühen gibt es nun in Kassel einen Ort: Im Januar hatte das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete in Nordhessen im neuen Haus für Sozialwirtschaft seine Arbeit aufgenommen. Es gehe um die dringende Aufgabe einer „einfühlsamen Aufmerksamkeit“ für Geflüchtete, sagte Vera Brockhaus vom Vorstand des Kasseler Trägervereins.

Zur offiziellen Einweihung waren jetzt viele Gäste gekommen, darunter Stefan Sydow, der Leiter des Stabs Asyl im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. Zusammen mit drei weiteren Einrichtungen in Hessen wird das Kasseler Zentrum von der Landesregierung finanziell getragen. Bis es dazu kam, war es ein weiter Weg, weshalb man einen Tag der Freude begehe, wie alle Redner betonten.

Was selbstverständlich erscheint – die Einrichtung einer Stelle für Menschen in Not – hat eine engagierte und arbeitsintensive Vorgeschichte, die Sydow skizzierte. Am Anfang stand das zivilgesellschaftliche Engagement eines Arbeitskreises Ehrenamtlicher, der sich aus dem Kasseler Alexander-Mitscherlich-Institut für psychoanalytische und –therapeutische Behandlungen gebildet hatte. Ein Helferkreis um das Psychotherapeutenpaar Vera und Eckhardt Brockhaus hatte 2015 vom Regierungspräsidium (RP) die Erlaubnis erhalten, in Flüchtlingseinrichtungen ehrenamtlich zu arbeiten. Aus dieser Gruppe entstand die Idee, eine zentrale Anlaufstelle einzurichten.

Beim RP als auch beim Sozialministerium trafen diese Bemühungen auf offene Ohren. Brockhaus sprach von einem „glücklichen Zusammenwirken“. Gleichwohl, so Sydow musste Einiges erarbeitet werden, wie beispielsweise Förderrichtlinien, bevor die 1,6 Millionen Euro pro Jahr für die vier hessischen Zentren bewilligt werden konnten.

Sozialminister Stefan Grüttner steht hinter dem Projekt: „Besonders für schwer traumatisierte Geflüchtete ist eine möglichst zeitnahe professionelle Hilfe unbedingt notwendig“, sagte er und betonte, dass Hessen „dieses wichtige Thema“ als erstes Bundesland bereits 2015, mitten in der Flüchtlingskrise“, angepackt habe. 

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