Fall wird neu aufgerollt

Psychoterror statt Liebe: Mann wegen Bedrohung erneut vor Gericht

Kassel. Die Erzählungen der 26-Jährigen über das Martyrium, das sie durch einen Ex-Freund erlitt, böten reichlich Stoff für einen Thriller mit einem Psychopathen, der Frauen auf subtile Weise drangsaliert.

Seit Dienstag wird der Fall um einen 34-jährigen Mann aus Kassel erneut aufgerollt, der wegen übler Nachrede, vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung von drei jungen Frauen zu einer Geldstrafe in Höhe von 2100 Euro verurteilt worden war. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte legten Berufung ein.

Zwischen April 2011 und Mai 2012 soll der Angeklagte versucht haben, mit drei jungen Frauen im Alter von 26, 23 und 21 Jahren eine Beziehung einzugehen. Als sie seine Avancen zurückwiesen, habe er ihnen nachgestellt und sie aufs Übelste verunglimpft und beleidigt. Zwei der Frauen waren laut Anklageschrift so verängstigt, dass sie sich zeitweise nicht mehr trauten, das Haus allein zu verlassen.

Manipulationen im Netz

Ein Instrument, dessen er sich bedient haben soll, waren gefälschte Profile bei Netzwerken wie Facebook und Wer-kennt-wen. Unter dem Namen der jungen Frauen soll er Profile erstellt haben, in denen nachzulesen war, dass sie ständig nach neuen Sex-Partnern suchten.

Im März 2011 habe sie den 34-Jährigen über einen Internet-Chat kennengelernt, berichtete eines der Opfer, eine 26-Jährige, die seit vier Jahren unter den Ereignissen leidet und seit einem Jahr in Therapie ist. Man habe sich Bilder geschickt, viel geschrieben und nach kurzer Zeit täglich Kontakt gehabt. Alles sei sehr schnell gegangen, zu schnell für ihre Verhältnisse.

Vier, fünf Wochen sei sie sehr verliebt gewesen. Als sie etwas auf Distanz gehen wollte, lernte sie eine Seite des Angeklagten kennen, „die mir Angst machte und immer noch macht“. Immer stärker habe er sie kontrollieren wollen, sie täglich mit Nachrichten attackiert, erzählte sie. Als Schlampe, Miststück und kleine Nutte habe er sie bezeichnet und ihr verdeutlicht, dass er in der Nähe sei. Einige Male habe er angedroht, sich umzubringen.

Mehrmals brach die 26-Jährige in Tränen aus. Auch, als sie von dem Vermummten berichtete, der sie Ende April 2011 vor ihrer Haustür zusammenschlug. Am Parfüm, der Nase und den Augen habe sie ihn erkannt, sagte sie mit Blick auf den Angeklagten. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei längst involviert, sie sollte weiter Beweise gegen den Stalker sammeln.

Selbstmorddrohungen

Der Angeklagte sah alles anders. Eine seiner Selbstmorddrohungen war „nicht ernst gemeint“, sagte er. Eine andere Selbstmorddrohung „war ein Streich seines Freundes“. Und die 26-Jährige, die hätte an Stimmungsschwankungen gelitten, behauptete er. (zal)

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