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Pyrotechnik und Playboy-Mansion: Techno-Band Scooter spielte in Kassel

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Von: Leonie Krzistetzko

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Macht mit seiner Band seit fast 30 Jahren Musik: Scooter-Frontmann H. P. Baxxter beim „God Save the Rave“- Konzert auf dem Messegelände Kassel.
Macht mit seiner Band seit fast 30 Jahren Musik: Scooter-Frontmann H. P. Baxxter beim „God Save the Rave“- Konzert auf dem Messegelände Kassel. © Andreas Fischer

Wenn die Bassdrum so gewaltig ist, dass einem fast der Kehlkopf rausspringt oder die Ohren platzen – dann stehen Scooter auf der Bühne.

Kassel – Die Kult-Rave-Band um Frontsänger H.P. Baxxter spielte am Donnerstagabend ein Open-Air-Konzert auf dem proppenvollen Kasseler Messegelände.

Bei Scooter trifft Rave-Kultur auf gesellschaftlich anerkannten, weil ironischen, Proll. Das zeigt sich schon vor dem Konzert. Neben Scooter-Merchandise, Neon-T-Shirts und Ed-Hardy-Jeans, von denen man glaubt, dass sie mittlerweile eigentlich ausgestorben sind (oder sein müssten), findet man auch T-Shirts mit dem Aufdruck der selbsternannten „Kompagnie Dauerdicht“ – nicht die einzige Freundesgruppe, die mit ironischen Aufdrucken auffällt.

In der Menge hält jemand ein „Make Scooter Great Again“-Plakat in die Luft, eine Zuschauerin hat eine Stoffmaske mit dem LED-Schriftzug „God Save the Rave“ mitgebracht. „God Save the Rave“ ist der Name der Tour, mit der Scooter zurzeit auf den Bühnen Deutschlands unterwegs ist, Titel ihres jüngsten Studioalbums von 2021, und Motto des Abends. Es ist auch der Song, mit dem Scooter ihre zweistündige Show in Kassel nach dem von Pathos triefenden Album-Opener „Futurum Est Nostrum“ starten. Bevor H.P. Baxxter, Sebastian Schilde und Michael Simon auf die Bühne treten, erinnert eine elektronische Stimme das Publikum: „If things go wrong, in rave we trust“ (Wenn etwas falsch läuft, vertrauen wir auf den Rave).

Als Scooter anfangen, heißt es dann: Kopf aus, Körper an. Es wird gesprungen und getanzt in zuckenden Bewegungen zu den Hardcore-Beats der Band und ihren kultigen Nonsense-Phrasen à la „Hyper Hyper“. Das ist Trash der Extraklasse. „I am the Horseman“ schreit H. P. Baxxter in sein Mikrofon und die Menge tobt – es ist die Eröffnung ihres Hits „One (Always Harcore)“. Immer wieder ruft Baxxter: „Es ist uns egal, wie spät es ist, weil wir nicht nach Hause gehen“, und das Publikum macht es ihm nach. Denn wie Scooter selbst, wollen auch ihre Fans raven – zu Klassikern wie „Maria (I Like it Loud)“, „How Much is the Fish?“ und „Hyper Hyper“ – die lautstark mitgegrölt werden, aber auch zu den aktuellen Songs wie „Bassdrum“ und „The Spell Remains“.

Unterstützt wird die Band von knallender Pyrotechnik und knapp bekleideten Tänzerinnen, die aussehen, als seien sie irgendwo zwischen der Playboy-Mansion und einer 1990er-Jahre-Techno-Party verloren gegangen. Wie die zum Teil Eurodance-lastigen Songs und die Ed-Hardy-Hose eines Besuchers wirken sie etwas aus der Zeit gefallen – nicht nur, weil sie trotz ihrer immensen tänzerischen Fähigkeiten dann doch vor allem als sexualisiertes Beiwerk dienen. Die Show hätte auf jeden Fall auch ohne funktioniert.

Zum Abschluss bekommt die Band tosenden Applaus und „Oi oi oi fucking oi“-Rufe.

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