Querelen zwischen Vorstand und Ex-Schatzmeister

Zerstörung, Vertuschung, und ein Vereinsschlepper: Hessenjäger beharken sich

Bei den Hessenjägern scheint es mitunter wie bei Hirschen in der Brunft zuzugehen: Einige kommen sich ins Gehege. Archivfoto: Kalden

Kassel. Die Anschuldigungen sind vielfältig: Es geht unter anderem um Geld, Zerstörung, Vertuschung, manipulierte (lebensgefährliche) Kreissägen und einen Vereinsschlepper.

Der Streit zwischen dem Vorstand der Hessenjäger, dem Vorsitzenden Herbert Bachmann und seinem Stellvertreter Wolfgang Deutscher auf der einen Seite, sowie dem ehemaligen Schatzmeister Jonas Bender auf der anderen Seite, sorgt weiterhin für Zündstoff in dem Kasseler Verein, der mit rund 450 aktiven Mitgliedern einer der größten Jagdvereine Hessens ist. Am Donnerstagabend wird es bei der Jahreshauptversammlung im Clubhaus des KSV Hessen Kassel wohl nun zum Schlagabtausch beider Parteien kommen.

Wegen der Streitigkeiten hat ein langjähriges Mitglied im Vorfeld der Versammlung beantragt, einen Interimsvorstand zu wählen, dem keines der Mitglieder des bisherigen Vorstands angehört. „Dieser Interimsvorstand soll die gegen die verschiedenen Mitglieder erhobenen schweren Vorwürfe klären und dann in einer Mitgliederversammlung die Ergebnisse darlegen“, heißt es in einem Antrag zur Tagesordnung, der der HNA vorliegt.

Nach wie vor beschuldigen sich der Vorstand und der ehemalige Schatzmeister, den Verbleib von Vereinsgeld zu verschleiern. Am 25. August 2014 hatte der Vorstand einen Rundbrief an alle Mitglieder verschickt, der von dem Vorsitzenden Herbert Bachmann und weiteren Vorstandsmitgliedern unterzeichnet worden war.

Geld verschwunden

In dem Brief wurden der frühere Schatzmeister Bender und der ehemalige Pressewart, die im April von ihren Ämtern zurückgetreten waren, namentlich beschuldigt. Der Vorstand warf den beiden unter anderem vor, dass Geld aus dem Munitionsverkauf am Schießstand (siehe Stichwort) verschwunden sei.

Es sei richtig, dass in den vergangenen Jahren Geld aus dem Munitionsverkauf verschwunden sei, sagte Bender im August auf Nachfrage der HNA. Das liege daran, dass der Vorsitzende das am Schießstand eingenommene Geld immer persönlich abgeholt habe. Anschließend sei das Geld aber nicht auf dem Vereinskonto eingegangen. Quittungen beziehungsweise Abrechnungen habe es nie gegeben. Er gehe deshalb davon aus, dass ein fünfstelliger Betrag in den Jahren 2009 bis 2014 aus dem Verkauf verschwunden sei. Bender schaltete das Finanzamt ein.

Nachdem die HNA darüber berichtet hatte, nahm die Staatsanwaltschaft von Amts wegen Ermittlungen gegen den Vorsitzenden auf. Grundlage des Anfangsverdachts der Untreue seien die in dem Artikel erhobenen Vorwürfe, so Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen dauerten an.

Vieles ist in dem Streit unter den organisierten Jägern noch offen. Nur eine Sache hat sich mittlerweile aufgeklärt: Der Vereinsschlepper, der laut Vorstand im August verschwunden (gestohlen?) war, ist Ende September vor dem Schießstand wieder aufgetaucht. Mit neuer Bereifung.

Das sagt der Vereinssprecher

Abstimmen über Ausschluss aus Verein

Herbert Bachmann, Vorsitzender der Hessenjäger, werde öffentlich keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen, die der ehemalige Schatzmeister zunächst gegenüber der HNA und jetzt in einem Rundbrief an die Mitglieder erhoben habe, sagt Dr. Klaus Bebendorf, Pressereferent des Vereins. Anlass der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft sei der Zeitungsbericht gewesen. Bebendorf bestätigt, dass der Vorstand den ehemaligen Schatzmeister und Pressewart aus dem Verein ausschließen möchte - wegen „vereinsschädigenden Verhaltens“. Die beiden hätten gegen diese Entscheidung Widerspruch eingelegt. Nun müssten die anwesenden Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung darüber entscheiden, ob die beiden aus dem Verein ausgeschlossen werden. (use)

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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