Kritik an neuer Fahrradstraße

Kassel: Querparker sind größte Gefahr für Radfahrer

Testfahrt der Initiative Radentscheid auf der Kasseler Goethestraße: Die weiterhin quer zur Fahrbahn parkenden Autos sind das größte Ärgernis und eine Gefahr für Radfahrer.
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Testfahrt: Die weiterhin quer zur Fahrbahn parkenden Autos sind das größte Ärgernis und eine Gefahr für Radfahrer auf der Goethestraße.

In Kassel gibt es eine neue Fahrradstraße und einiges an Kritik. Allen voran beanstandet die Initiative Radentscheid die Querparkplätze - sie seien gefährlich.

Kassel - Die Initative Radentscheid in Kassel übt Kritik an der neuen Fahrradstraße Goethestraße. Bei einer gemeinsamen Testfahrt wurden die einzelnen Kritikpunkte unter die Lupe genommen. Auch Regen hielt das Dutzend kritische Radfahrer nicht davon ab, die Fahrradstraße Goethestraße genau unter die Lupe zu nehmen.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Beschluss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung ist die Fahrradstraße jetzt vor ihrer Fertigstellung. Einige Baugeräte stehen noch am Straßenrand, letzte Handgriffe werden erledigt, doch das Wesentliche ist bereits sichtbar.

Und damit auch die größten Kritikpunkte der Engagierten vom Radentscheid:

  • Querparkplätze
  • Anliegerstraße
  • (Verengte Kreuzung)
  • Kreisverkehr
  • Querung Stein-Straße

Studie zeigt: Querparkplätze sind größte Gefahr für Radfahrer in Kassel

Bis auf nicht mal ein Dutzend neu eingerichtete Längsparkplätze in Höhe der Goetheanlage sind alle Querparkplätze bestehen geblieben: eine Gefahrenquelle, die sich für Radler vor allem beim Ausparken der Autos ergibt. „Ein No-Go für eine Fahrradstraße“, sagt Gilbert Sandte von der Initative Radentscheid. „Auch für die Autofahrer ist das eine unangenehme Situation“, sagt Mitradfahrer Axel Garbelmann, für die Linken Mitglied im Ortsbeirat Vorderer Westen. Nach einer Studie vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gehe in Fahrradstraßen die größte Gefährdung von parkenden Kraftfahrzeugen aus, sagte Sandte.

Kritik gibt es nicht nur von den Radfahrern: Bevor der Umbau der Goethestraße zur Fahrradstraße ganz abgeschlossen war, hatten sich vor allem bei den Anwohnern der umliegenden Straßen Fragen aufgetan.

Der Radentscheid hat die Planungen der Stadt von Anfang an kritisch begleitet. Das Statement der Initiative lautete bereits 2018: „Schön und gut, dass ein Teil der Goethestraße Fahrradstraße werden soll, es nützt uns aber nicht viel, wenn Piktogramme aufgemalt werden.“ Die Umwidmung müsse mit „grundlegenden Änderungen“ einhergehen. Zu den wichtigsten Forderungen gehörten der Wegfall der Querparkplätze, eine effektive Einschränkung des Durchgangsverkehrs und sichere Kreuzungen zu Beginn und am Ende der Fahrradstraße. Das Fazit, das die Radfahrer jetzt zogen, war deshalb alles andere als positiv. Zwar begrüße die Initiative die Fertigstellung der Umbaumaßnahmen. Die Umsetzung sei trotz konstruktiver Kritik von Initiativen und Verbänden „weit von einer einladenden Infrastruktur für Radfahrende“ entfernt.

Neue Fahrradstraße in Kassel: Umwidmung zur Anliegerstraße reicht nicht aus

Der Durchgangsverkehr sei durch die Umwidmung zur Anliegerstraße eben nicht eingedämmt – was bei der Testfahrt deutlich zu bemerken war. „Das kontrolliert doch auch keiner, ob hier nur Anlieger fahren“, sagt Radentscheid-Sprecher Thomas Hofmann.

„Es ist unverständlich, dass man die Durchfahrt von Autos nicht, wie auch vom Klimaschutzrat gefordert, mit baulichen Maßnahmen so lenkt, dass tatsächlich nur Anlieger hineinfahren. Jede Regelung, die erst aufwendig erklärt werden muss, wird kaum Wirkung entfalten.”

Nur Sperren wie Poller oder Blumenkübel, die ein Durchfahren der Goethestraße von Autos verhinderten, könnten den Durchgangsverkehr stoppen. Ein Ort dafür wäre die Höhe Huttenplatz, stellten die Teilnehmer fest.

Positive Kritik: Verengte Kreuzung kommt Radfahrern in Kassel zugute

Es gab auch positive Kritik: Die Situation habe sich durch die durchgehende Vorfahrtsregelung und die verengten Kreuzungen insbesondere im Bereich Kirchweg/Goethestraße verbessert.

Neue Fahrradstraße in Kassel durch Kreisverkehr unterbrochen - Konflikte vorprogrammiert?

Ein Problem sei dagegen die nicht markierte Lösung am Goethestern, erklärten die Vertreter des Radentscheids: Dass dort die Fahrradstraße unterbrochen werde und der Kreisverkehr nur durch Beschilderung ausgewiesen sei, werde für Konflikte sorgen, sagte Hofmann. Es wäre sinnvoll gewesen, die Fahrbahn dort baulich enger zu gestalten. Die Breite lade motorisierten Verkehr zu hohen Geschwindigkeiten geradezu ein.

Eine ähnlich gefährliche Situation gibt es auf der Eugen-Richter-Straße Richtung Süsterfeld-Helleböhn (Kassel): Der Radweg endet plötzlich und Radfahrer müssen sich ungesichert zwischen vorbeirasenden Autos einordnen.

Querung der Freiherr-vom-Stein-Straße noch immer „sehr unübersichtlich und gefährlich“

Schließlich fordert die Initiative, dass zügig die Anschlussbereiche der wichtigen Fahrradroute „Bahnhof Wilhelmshöhe – Innenstadt“ fahrradgerecht umgebaut werden. Insbesondere die Querung der Freiherr-vom-Stein-Straße sei „sehr unübersichtlich und gefährlich“. Im Umkreis mehrerer Schulen seien Kinder und ältere Verkehrsteilnehmer hier besonders gefährdet. (Christina Hein)

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