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Rad-Demo gegen Geselles Entscheidung auf dem Steinweg

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Roter Teppich für Radfahrer: Teilnehmer der Pop-up-Bikelane auf dem Steinweg vor dem Fridericianum am Freitagabend.
Roter Teppich für Radfahrer: Teilnehmer der Pop-up-Bikelane auf dem Steinweg vor dem Fridericianum am Freitagabend. © Pia Malmus

Am Freitag gab es den Radstreifen auf dem Steinweg, der Kassel gerade spaltet. Aktivisten demonstrierten mit der Pop-up-Bikelane gegen eine Entscheidung von Oberbürgermeister Geselle.

Kassel – 300 Radfahrer haben am Freitagabend mit einer Pop-up-Bikelane auf dem Steinweg für die Verkehrswende demonstriert. Aktivisten von Initiativen wie Fridays for Future und dem Radentscheid hatten einen roten Teppich zwischen Fridericianum und Elisabethkirche ausgerollt, der den rechten von drei Fahrspuren in einen temporären Radstreifen verwandelte.

Für eineinhalb Stunden war also das erlaubt, was mit einem angedachten Verkehrsversuch ein Jahr lang hätte möglich sein sollen. Doch Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hatte zuletzt die Planungen seines Verkehrsdezernenten Christof Nolda (Grüne) wieder zurückgenommen – aus Sicherheitsgründen und um den Verkehrsfluss nicht zu behindern, wie er sagte. Daraus ist längst ein politischer Streit geworden, der auch die grün-rote Koalition belastet. Ihr Weiterbestehen ist immer noch fraglich.

Die angemeldete Protestaktion konnte wie geplant stattfinden. Es war auch nicht das erste Mal, dass Aktivisten eine Pop-up-Bikelane in Kassel errichteten. In den vergangenen Jahren hatte es temporäre Radstreifen als Teil von Kundgebungen schon auf der Wilhelmshöher Allee, der Weserstraße und auch auf dem Steinweg gegeben. Der rote Teppich ist zu einem Symbol für die Verkehrswende geworden, die etwa 22 000 Unterzeichner des Radentscheids forderten.

Diesmal radelten etwa die Grünen-Politiker Boris Mijatovic, Karin Müller und Sven Schoeller mit. Prominente SPD-Köpfe suchte man vergebens. Mitorganisator Gregor Anselmann kritisierte den Oberbürgermeister: „Mit Geselle wird es keine Verkehrswende und Klimaneutralität geben.“ An einem Fahrrad wehte eine Flagge mit dem Slogan: „Herr Geselle stoppen, Radwege toppen.“

Der Autoverkehr staute sich durch die Aktion auf einigen hundert Metern - allerdings wohl nur deshalb, weil der Linksabbiegerstreifen zur Schönen Aussicht von Geradeausfahrern nicht genutzt werden konnte. Beim Verkehrsversuch wäre das möglich gewesen.

Unterdessen hat auch die Kasseler Gruppe des Bundes Deutscher Architekten (BDA) deutliche Kritik an Geselle geübt. In einem Offenen Brief fordern die Vorsitzenden Marc Köhler und Gerhard Greiner sowie Barbara Ettinger-Brinckmann „Schluss mit dem Machtkampf“ sowie „mehr Baukultur und Qualität im Stadtraum“.

Durch den Verkehrsversuch würde der Steinweg, der den Friedrichsplatz teilt, „leichter überquerbar, leiser und weniger hektisch wirken“. Auch Menschen „ohne parteipolitische Zugehörigkeit“ könnten die Entscheidung Geselles nicht verstehen, da eine Fahrspur wegen der documenta ohnehin für Autos gesperrt werde. Auf ihr könnten „Radelnde Platz finden“. (Matthias Lohr)

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